Feelgood beginnt im Kopf und endet im Alltag: Was Menschen für ihre Gesundheit tun und was ihnen schwerfällt

Der Jahresanfang lädt zur Selbstreflexion ein. In der Verhaltensforschung wird dieses Phänomen als Fresh Start Effect bezeichnet. Viele Menschen blicken im Januar auf ihr eigenes Verhalten zurück und fragen sich, was sie für ihr Wohlbefinden getan haben und wo Anspruch und Alltag auseinandergefallen sind. Genau diese Spannung zeigt sich auch in einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, die das Gottlieb Duttweiler Institut im Rahmen seiner neuesten Studie durchgeführt hat. Jetzt vorbestellen!
14 Januar, 2026 durch
Feelgood beginnt im Kopf und endet im Alltag: Was Menschen für ihre Gesundheit tun und was ihnen schwerfällt
GDI Gottlieb Duttweiler Institute, Christine Schäfer

Nach Weihnachtsmarkt, Glühwein, Guetzli, Festessen und Champagner folgt für viele der Wunsch nach einem Neustart. Die Vorsätze sind schnell formuliert: mehr Bewegung, weniger Süsses, ausreichend Schlaf, weniger Bildschirmzeit, Stressreduktion, der Verzicht auf Alkohol oder Nikotin. Die Liste ist lang. Ihre konsequente Umsetzung bleibt jedoch für viele eine Herausforderung. Genau dies bestätigt auch die jüngste GDI-Studie, zu der wir hier einen ersten Einblick geben.

Die Befragung

Im Dezember 2025 hat das GDI insgesamt 3’031 Personen aus der Deutschschweiz, Deutschland und Österreich zu ihrer Lebenszufriedenheit sowie zu Einstellungen und Verhaltensweisen rund um Ernährung, Gesundheit und Schönheit befragt. Unter anderem wollten wir von den Befragten wissen, wie sie sich derzeit gesund halten und wie konsequent ihnen das im Alltag gelingt. Der Erhebungszeitpunkt am Jahresende macht sichtbar, welche Massnahmen grundsätzlich als wichtig erachtet werden und wie gut sie sich tatsächlich umsetzen lassen.

Quelle: GDI-Konsument*innenbefragung, Dezember 2025

Source: GDI consumer survey, December 2025

Hohe Bereitschaft für einen gesunden Lebensstil

Die Bereitschaft, etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun, ist hoch. An erster Stelle stehen ausreichend Schlaf und Erholung, eine gesunde Ernährung sowie das Pflegen sozialer Kontakte. 94 beziehungsweise 93 Prozent der Befragten geben an, diese Massnahmen bereits umzusetzen oder sich dies gut vorstellen zu können. Ebenfalls auf breite Zustimmung stossen ärztliche Vorsorgeuntersuchungen (91 %), Bewegung und Sport (90 %) sowie kognitives Training (87 %). Auch Stressabbau (86 %) sowie der stellenweise Verzicht auf Alkohol, Nikotin oder andere Substanzen (85 %) sind für viele feste Bestandteile eines gesunden Lebensstils.

Wenn gute Absichten auf den Alltag treffen

«Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer», wusste bereits Johann Wolfgang von Goethe. Ein Blick auf die tatsächliche Umsetzung zeigt demnach auch, dass gute Absichten nicht immer mit der Realität Schritt halten. Ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung gelingen nur rund 55 Prozent der Befragten immer oder meistens so oft, wie sie es sich vornehmen. Regelmässige Bewegung schaffen 52 Prozent. Besonders herausfordernd bleibt der Umgang mit Stress. Weniger als die Hälfte setzt entsprechende Massnahmen konsequent um. Vergleichsweise gut gelingt hingegen der Verzicht auf Suchtmittel. Fast drei Viertel geben an, dies meist oder immer wie geplant umzusetzen. Auch ärztliche Vorsorgeuntersuchungen (63 %) sowie die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (67 %) bereiten den meisten wenig Schwierigkeiten.

Altersunterschiede in der Umsetzung

Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Ältere Personen setzen ihre gesundheitsbezogenen Vorhaben deutlich konsequenter um als jüngere. In der Gruppe der 65- bis 75-Jährigen geben 70 Prozent an, ihre Massnahmen meist oder immer wie geplant umzusetzen. Am kritischsten beurteilen sich die 25- bis 39-Jährigen. Nur etwas mehr als die Hälfte sieht sich hier als erfolgreich.

Dieser Alterseffekt lässt sich unterschiedlich interpretieren. Jüngere Generationen stehen häufiger unter hohem Zeitstress durch Beruf, Familie und soziale Verpflichtungen. Gleichzeitig bewerten sie ihr Verhalten möglicherweise strenger. Ältere Personen verfügen über mehr Erfahrung im Umgang mit ihren eigenen Ressourcen und formulieren ihre Erwartungen realistischer. Was von Beginn an erreichbar erscheint, wird auch konsequenter umgesetzt.

Ausblick: Vom individuellen Vorsatz zur strukturellen Unterstützung

Die Ergebnisse zeigen exemplarisch, in welchem Spannungsfeld sich das Streben nach Wohlbefinden bewegt. Gesundheit wird heute ganzheitlich verstanden und umfasst Ernährung, körperliche und mentale Fitness sowie soziale und emotionale Aspekte. Gleichzeitig wird deutlich, dass individuelle Motivation allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie gut Angebote, Produkte und Strukturen Menschen dabei unterstützen, ihre Absichten dauerhaft in den Alltag zu integrieren.
Einen vertieften Einblick in diese Dynamiken bietet die kommende GDI-Studie «Feelgood Revolution». Sie greift unter anderem folgende Fragen auf:

  • Wie zufrieden sind Menschen im DACH-Raum mit ihrem Aussehen sowie ihrer mentalen und physischen Gesundheit?
  • Wie gross ist der wahrgenommene gesellschaftliche Druck, gut auszusehen, gesund und leistungsfähig zu sein und sich gesund zu ernähren? Hat dieser in den letzten Jahren eher zu- oder abgenommen?
  • Wo informiert sich die Mehrheit über Gesundheitsfragen? Bei Suchmaschinen, KI-Anwendungen oder bei Ärztinnen und Apothekern?
  • Wie verbreitet sind kosmetische Eingriffe wie Botox oder sogenannte «Schönheits-OPs» und wie gross ist die Bereitschaft dazu, wenn finanzielle Hürden wegfallen?
  • Wie alt fühlen sich Menschen tatsächlich und wie jung möchten sie aussehen?
  • Was motiviert Menschen, sich gesund oder schön zu halten, und welche unterschiedlichen Wohlfühl-Typen lassen sich in der Bevölkerung erkennen?
  • Wer ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung? Jeder für sich selbst? Die Lebensmittelproduzenten? Die Regierung? Oder alle ein bisschen?
  • Würden die Menschen es begrüssen, wenn man «ungesunde» Lebensmittel aus dem Sortiment nimmt? 

Diese und weitere Perspektiven zeigen, wie sich Ernährung, Gesundheit und Schönheit zu einer neuen Wellness-Economy verbinden und welche Bedeutung dies für Industrie und Handel hat. Die Studie «Feelgood Revolution» erscheint im Frühling 2026.

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