DER GOTTLIEB DUTTWEILER PREIS 

Im Jahr 1958 machten die Mitglieder der Migros-Gemeinschaft ihrem Gründer Gottlieb Duttweiler ein Geschenk. Doch die 200 000 Franken zu seinem 70. Geburtstag waren an eine Bedingung geknüpft. 

Er solle mit diesem Geld einen Gottlieb Duttweiler Preis ausrichten. Duttweiler übertrug die Verwaltung des Geldes und die Verleihung des Preises in der Folge seiner Stiftung «Im Grüene», zu der das GDI gehört.

Gemäss Stiftungsurkunde soll der Gottlieb Duttweiler Preis Personen verliehen werden, die sich durch «hervorragende Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit verdient gemacht haben für eine kulturelle, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Umwelt, in der ein jeder sich entfalten und an deren Weiterentwicklung ein jeder eigenständig mitwirken kann».

Unter den bisherigen Preisträgern finden sich Václav Havel (1990), Joschka Fischer (2004), Kofi Annan (2008) und Tim Berners-Lee (2015). Die mit CHF 100‘000 dotierte Auszeichnung wird am Institut in Rüschlikon vor geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Kultur nur alle paar Jahre vergeben.


Preisträger 2019: Watson

Der 13. Gottlieb Duttweiler Preis ging an die KI-Plattform Watson. Er wurde stellvertretend vom IBM-Forschungsleiter John E. Kelly III am 7. Mai 2019 entgegengenommen.

Watson ist auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz die leistungsfähigste Computerplattform der Welt. Einer breiteren Bevölkerung wurde die von IBM entwickelte Maschine 2011 bekannt, als sie im US-amerikanischen Fernsehquiz «Jeopardy!» gewann. Heute erbringt Watson Leistungen von unschätzbarem Wert, insbesondere auf den Gebieten des Gesundheitswesens, der Mobilität und des Handels.

Watson steht für eine Zukunft, in der übermenschliche Komplexität mit übermenschlicher Intelligenz bewältigt wird. Ohne sie werden wir Probleme wie Klimaerwärmung, Krankheiten oder ungenügende Bildung nicht lösen. Doch wo macht eine Technisierung unseres Lebens Sinn? Wo nicht? «Zu dieser Diskussion will das GDI mit seiner bewusst kontroversen Preisvergabe beitragen», sagte dazu die GDI-Stiftungsratspräsidentin Sarah Kreienbühl. Dass Watson in der Schweiz mitentwickelt wird, belege im Übrigen die Bedeutung des Forschungsstandorts.

Preisträger 2015: Tim Berners-Lee

Der Preis wurde am 29. April 2015 in einer feierlichen Zeremonie an Sir Timothy Berners-Lee, den Begründer des World Wide Web, übergeben. Die Lobrede hielt der Schweizer Harvard-Professor Urs Gasser.

Berners-Lee erhielt den renommierten Preis für seinen immensen Beitrag zum mächtigsten Kommunikationsmittel der Menschheit. Sir Tim erfand nicht nur grundlegende Technologien des WWW. Vielmehr hat er sich unermüdlich für ein Web eingesetzt, das allen Menschen offen steht. Dazu verzichtete er auch auf gewinnträchtige Patente.

«Wir ehren heute die kompromisslose, radikal demokratische Haltung eines Menschen, den wir nur bewundern können», sagte David Bosshart, Leiter des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI). «Weitaus bedeutender als der technologische Aspekt dieser Entwicklung ist der gesellschaftliche», betonte in seiner Rede auch Fabrice Zumbrunnen, Mitglied der Migros-Generaldirektion und Präsident der «Stiftung Im Grüene» (zu der auch das GDI gehört).

Gerade diesen sozialen und demokratisierenden Effekt sieht Berners-Lee aber als bedroht. Die Gefahr einer Aufsplitterung, vor der er bereits 1999 warnte, schwele weiterhin: Nationen ebenso wie Unternehmen arbeiteten an geschlossenen Netzwerken. Und noch immer habe nicht einmal die Hälfte der Menschheit Zugang zum Web. «Vor 25 Jahren gab uns Sir Tim ein Werkzeug zur Kommunikation, zur Zusammenarbeit und für eine bessere Welt», sagte der Schweizer Harvard-Professor Urs Gasser in seiner Laudatio. «Jetzt sind wir dran, gemeinsam mit ihm die Zukunft des Webs zu gestalten.»

Preisträger 2013: Ernst Fehr

Der Gottlieb Duttweiler Preis 2013 ging an den Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr. Der an der Universität Zürich lehrende Vorarlberger wurde geehrt für seine bahnbrechende Forschung zur Rolle von Fairness in Märkten, Organisationen und bei individuellen Entscheidungen.

Der Gottlieb Duttweiler Preis wurde am Abend des 9. April 2013 in einer feierlichen Zeremonie an Ernst Fehr übergeben. Die Lobrede hielt sein Kollege Dan Ariely, selber ein global einflussreicher Wirtschaftswissenschafter.

Fehr erhielt den renommierten Preis für seine bahnbrechende Forschung zur Rolle von Fairness in Märkten, Organisationen und bei individuellen Entscheidungen. Seine weltweit beachteten Forschungsarbeiten belegen, dass Menschen oft nicht vom Egoismus, sondern vom Wunsch nach Gerechtigkeit getrieben sind. Damit leistete Fehr als einer der wichtigsten Vertreter der Verhaltensökonomie einen entscheidenden Beitrag zur psychologischen Wende in der Ökonomik, die das Erklärungsschema des Menschen als Homo Oeconomicus revidiert.

Fehrs Verdienste für Wirtschaft und Gesellschaft unterstrich Fabrice Zumbrunnen, Präsident der «Stiftung Im Grüene» (zu der auch das GDI gehört), der die mit 100'000 Franken dotierte Auszeichnung an den in Zürich lehrenden Österreicher übergab. Zumbrunnen, Leiter des Departements HR, Kulturelles, Freizeit des Migros-Genossenschafts-Bundes, strich Fehrs Leistung bei der Neudefinition des Menschen in der Wirtschaftswissenschaft heraus und gratulierte: «Sie zeigen und beweisen, dass der Homo oeconomicus nicht nur einen Kopf, sondern auch ein Herz hat!»

SRF über Ernst Fehr


Preisträger 2011: Jimmy Wales

Der Gottlieb Duttweiler Preis wurde am Abend des 26. Januar 2011 an den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales übergeben. Die Laudatio hielt SRG-Generaldirektor Roger de Weck.

Wales erhielt den renommierten Preis für seine Verdienste um die Demokratisierung des Wissenszugangs. Überreicht wurde die mit 100'000 Franken dotierte Auszeichnung von Gisèle Girgis, Mitglied der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes. Sie erinnerte in ihrer Rede an den aufklärerischen Enzyklopädisten Denis Diderot und verglich Jimmy Wales mit ihm: «Beide vertrauen auf die Macht der kritischen Öffentlichkeit.»

Claude Hauser, Präsident der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB), betonte die Parallelen zwischen der Non-Profit-Enzyklopädie und Gottlieb Duttweilers nicht gewinnorientiertem Engagement, namentlich zum Migros-Kulturprozent.


Preisträger 2008: Kofi Annan †

In einer feierlichen Zeremonie wurde dem Friedensnobelpreisträger und alt Uno-Generalsekretär Kofi A. Annan am Abend des 8. September 2008 in Rüschlikon der traditionsreiche Gottlieb Duttweiler Preis verliehen.

Die Auszeichnung wurde dem Preisträger von Gisèle Girgis überreicht, der Präsidentin der Stiftung «Im Grüene». Bundespräsident Pascal Couchepin verliess eine Adresse der Landesregierung, die Laudationes wurden von zwei Freunden Annans gehalten: von alt Bundesrat Adolf Ogi und vom britisch-sudanesischen Unternehmer Mo Ibrahim. Herbert Bolliger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB), und Claude Hauser, Präsident der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB), vertraten die Migros-Spitze auf der Bühne. Durch den Abend führte die «10 vor 10»-Moderatorin Daniela Lager.

 

Preisträger 2004: Joschka Fischer

Der Politiker der deutschen Partei Bündnis 90/Die Grünen war 1998 – 2005 in der Regierung von Gerhard Schröder Vizekanzler und Aussenminister.

Preisträger 1998: Roger Schawinski

In der Schweiz ist er als Medienpionier und Fernsehmoderator bekannt. Er erfand zahlreiche Sendungen im Schweizer Fernsehen und gründete das erste nationale Privatfernsehen.

Preisträgerin 1993: Esther Afua Ocloo †

Die ghanaische Unternehmerin und Frauenweltbank-Mitgründerin leistete einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Hunger und zur Förderung der unabhängigen Frau in Afrika.

Preisträger 1990: Václav Havel †

Tschechischer Schriftsteller und Politiker, von 1989 – 1992 Staatspräsident der Tschechoslowakei. Havel nahm im November 1990 in Rüschlikon den Gottlieb-Duttweiler-Preis entgegen. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt.

DIE PREISTRÄGERINNEN UND PREISTRÄGER SEIT 1970

1970 Prof. Fritz Bramstedt; Ernährungswissenschafter, Kampf gegen Karies

1972 Prof. Egon Kodicek; Ernährungswissenschafter

1975 Dr. Paul Fabri; Ernährungswissenschafter, Kampf gegen Übergewicht

1988 Lisbeth und Robert Schläpfer; Unternehmer, Textilbranche

1990 Václav Havel; Präsident der Tschechoslowakei

1993 Dr. Esther Afua Ocloo; Unternehmerin und Ernährungswissenschafterin

1998 Dr. Roger Schawinski; Radio- und Fernsehpionier Radio 24, Tele24

2004 Joschka Fischer; Aussenminister Bundesrepublik Deutschland

2008 Kofi A. Annan; UNO-Generalsekretar, Friedensnobelpreisträger

2011 Jimmy Wales; Begründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia

2013 Prof. Ernst Fehr; international renommierter Verhaltensökonom

2015 Sir Tim Berners-Lee; Erfinder des World Wide Web

2019 Watson; KI-Plattform


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