2026 war in Europa der heisseste Sommer seit Messbeginn. Eine Viertelmillion Menschen mussten in Frankreich und Spanien wegen Bränden evakuiert werden. Sonst grüne Flächen erinnern an Steppen – die Ernteausfälle sind riesig, viele Tiere mussten wegen Futtermangel geschlachtet werden. In der Politik scheint das Thema Klima jedoch kaum mehr präsent; wenn überhaupt, wird über Klimaanlagen gesprochen. Anpassungsmassnahmen sind zweifellos wichtig, doch ist das, was wir 2026 erlebt haben, nicht das neue Normal, an das es sich nun anzupassen gilt. Es ist vielmehr ein Zwischenschritt eines eskalierenden Prozesses, der sich nicht stabilisiert, solange weitere Treibhausgase in die Atmosphäre gepumpt werden. Mit Anpassungen hinken wir ständig hinterher, bis es irgendwann nicht mehr möglich ist, sich anzupassen.
Die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu überwinden, ist also dringender denn je. Dabei spielen neben ökologischen Argumenten zunehmend auch geopolitische eine Rolle. Wie Drogenabhängige gegenüber mafiösen Dealern sind wir durch unsere fossile Abhängigkeit gewalttätigen Autokraten ausgeliefert. Diese Verletzlichkeit wurde durch die Kriegsabenteuer von Putin und Trump schmerzhaft deutlich. Kommt hinzu, dass klimabedingte tiefe Wasserpegel (beispielsweise des Rheins) den Transport von Öl auch ohne Kriegshandlungen erschweren.
Die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu überwinden, ist also dringender denn je. Dabei spielen neben ökologischen Argumenten zunehmend auch geopolitische eine Rolle. Wie Drogenabhängige gegenüber mafiösen Dealern sind wir durch unsere fossile Abhängigkeit gewalttätigen Autokraten ausgeliefert. Diese Verletzlichkeit wurde durch die Kriegsabenteuer von Putin und Trump schmerzhaft deutlich. Kommt hinzu, dass klimabedingte tiefe Wasserpegel (beispielsweise des Rheins) den Transport von Öl auch ohne Kriegshandlungen erschweren.
Jakub Samochowiec
Senior Researcher und Speaker am GDI
Der promovierte Sozialpsychologe analysiert gesellschaftliche und technologische Entwicklungen und deren Zusammenspiel. Insbesondere interessieren ihn dabei Geschichten, die wir uns über die Zukunft erzählen und welche Menschenbilder und Machtansprüche hinter diesen stecken.
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Die gute Nachricht: Es ist möglich, sich von dieser fossilen Abhängigkeit zu lösen. Eine historische Energierevolution ist in vollem Gange. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energiemix steigt exponentiell. Seit März 2024 steigen deshalb Chinas CO2-Emissionen nicht mehr. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass sich die erneuerbare Energieproduktion bis zum Jahr 2030 um 4600 Gigawatt steigern wird, was einem Zubau von etwa 4000 Atomkraftwerken entspricht (weltweit laufen etwa 400 AKWs, wenn sie nicht aufgrund von tiefen Wasserständen und hohen Wassertemperaturen abgeschaltet werden mussten). Neben der Revolution in der Stromerzeugung ist auch diejenige der Speicherung in vollem Gange, was wiederum das Stromnetz entlastet – ein bisheriger Flaschenhals bei der Elektrifizierung. Die Preise für Batterien sind in den letzten Jahren massiv gesunken. So konnten im Rahmen eines Förderprogramms in Australien innerhalb von vier Monaten 100 000 Batterien installiert werden. Die Entwicklung geht ausserdem in Richtung Speicher, die weniger oder kein Lithium, Nickel oder Kobalt benötigen und damit auch weniger umweltschädlich und «selten» sind.
Weltweit ist etwa jeder vierte Neuwagen ein E-Auto. In der Schweiz ist es zwar jedes dritte Fahrzeug, dennoch fällt unser Land im internationalen Vergleich langsam zurück – nicht nur gegenüber Norwegen, wo fast alle Neuwagen elektrisch fahren. Auch weniger wohlhabende Länder wie Albanien, Vietnam, Äthiopien oder China haben uns überholt. Und auch in Sachen Wärmepumpen sind uns nordische Länder weit voraus, während sich die Entwicklung hierzulande eher verlangsamt. Jede zweite Person in der Schweiz würde beim nächsten Autokauf ein E-Auto wählen. Dafür braucht es jedoch eine geeignete Infrastruktur, die oft mangelhaft ist. Es geht zwar in der Schweiz voran, jedoch viel zu langsam – die Musik spielt anderswo. Auf diesem Kurs wird die Schweiz ihre eigenen Klimaziele deutlich verfehlen.
Wir scheinen in der Energierevolution also eher zu Nebendarstellern zu verkommen. Die Zukunft findet anderswo statt. Auf dem «alten Kontinent» hingegen wird seit Jahrzehnten vor überstürztem Handeln gewarnt und mit dem Schlagwort Technologieoffenheit der Anschluss an eine Energierevolution historischen Ausmasses verpasst. Gleichzeitig wird der Ausstieg aus Verbrennermotoren hinausgezögert und der Ausdruck «Veggie-Wurst» verboten. Der Ärger über Klimaprotestierende scheint grösser als über die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ein Teil der Erklärung dürfte in den Interessen der fossilen Industrie liegen, die seit den 1960er-Jahren Unmengen investiert, um Fortschritt in Sachen erneuerbare Energien auszubremsen. Doch die politische Apathie hat auch tiefere, strukturellere Gründe.
In der Bevölkerung wiederum zeigt sich eine Resignation. Die Bereitschaft, individuell etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sinkt. So fliegen auch wieder mehr Schweizerinnen und Schweizer. Das ist auch verständlich, wenn der Eindruck entsteht, der oder die Einzige zu sein, der oder die sich darum kümmert: «Warum soll ich etwas tun, wenn die anderen sich darum foutieren?» In den Sozialwissenschaften ist dieses Phänomen als «Collective Action Problem» bekannt, das eine gemeinschaftliche Regelung im Umgang mit Ressourcen erfordert – Appelle an die Selbstverantwortung allein lösen es nicht.
Und tatsächlich zeigen diverse Studien, dass im Prinzip sehr viele Menschen bereit wären, gemeinsam mehr fürs Klima zu tun. Laut einer Studie von gfs.zürich unterstützten Ende 2025 etwa zwei Drittel der Befragten Schweizerinnen und Schweizer eine Flugverkehrsabgabe. Etwa 90% von weltweit 130 000 befragten Personen wünschten sich im Jahr 2022 mehr politisches Handeln gegen den Klimawandel. Gleichzeitig unterschätzten die Menschen die Zahl der Gleichgesinnten deutlich. In französischen Bürgerräten wiederum haben zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger relativ extreme Vorschläge (im Vergleich zur Politik) für den Umgang mit dem Klimawandel erarbeitet, etwa ein Verbot von Inlandflügen. In der GDI-Studie «Das Zeitalter der Biologie» gaben 90% der Menschen an, dass sie die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen traurig mache. Fast die Hälfte konnte sich für mutige Ideen erwärmen, wie etwa das Verleihen von einklagbaren Rechten für Ozeane, Flüsse und Wälder oder Vorschriften zur ausschliesslichen Nutzung von wiederverwendeten Stoffen. Über 90% sehen aber auch zumindest teilweise die Gefahr, dass ein blindes Technologievertrauen gesellschaftlich notwendige Veränderungen wie ein Verbrennerverbot verhindern kann. Es braucht also nicht nur neue Technologien, sondern auch Regeln zum Rückbau der alten.
Der Teufel steckt im Detail und prinzipielle Zustimmung muss nicht automatisch die Zustimmung zu konkreten Massnahmen bedeuten. Um allgemeine Zustimmung in konkrete Massnahmen umzumünzen, gilt es, Menschen über ihre lokalen Gegebenheiten mitentscheiden zu lassen, Gerechtigkeitsaspekte zu berücksichtigen und Anpassungen nicht einfach als Verzicht darzustellen, sondern auch deren unmittelbare Vorzüge im erlebten Alltag aufzuzeigen – und nicht nur in abstrakten Klimastatistiken. Man kann etwa aufzeigen, dass eine Wärmepumpe auch als Klimaanlage nutzbar ist oder dass die Luftqualität durch Elektrifizierung deutlich verbessert werden kann. Die Schwierigkeit der konkreten Umsetzung kann aber natürlich auch als Vorwand genommen werden, nichts zu tun und jegliche Lösungsideen schlechtzureden. Denn wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.
Die Hitze, die grundsätzliche Bereitschaft, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, und die technologische Revolution, welche die Transformation erleichtert, sollten aber Anlass sein, die Herausforderung anzugehen und die entsprechenden Details auszuarbeiten. Die Alternative ist, aufzugeben oder zu hoffen, dass jemand anderes die Arbeit für uns erledigt – und weiterhin Nebendarsteller einer Energierevolution zu bleiben, die anderswo stattfindet. An dieser Revolution teilzunehmen, ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern bestimmt auch, ob wir am technologischen und wirtschaftlichen Erfolg der Zukunft teilhaben werden.
Weltweit ist etwa jeder vierte Neuwagen ein E-Auto. In der Schweiz ist es zwar jedes dritte Fahrzeug, dennoch fällt unser Land im internationalen Vergleich langsam zurück – nicht nur gegenüber Norwegen, wo fast alle Neuwagen elektrisch fahren. Auch weniger wohlhabende Länder wie Albanien, Vietnam, Äthiopien oder China haben uns überholt. Und auch in Sachen Wärmepumpen sind uns nordische Länder weit voraus, während sich die Entwicklung hierzulande eher verlangsamt. Jede zweite Person in der Schweiz würde beim nächsten Autokauf ein E-Auto wählen. Dafür braucht es jedoch eine geeignete Infrastruktur, die oft mangelhaft ist. Es geht zwar in der Schweiz voran, jedoch viel zu langsam – die Musik spielt anderswo. Auf diesem Kurs wird die Schweiz ihre eigenen Klimaziele deutlich verfehlen.
Wir scheinen in der Energierevolution also eher zu Nebendarstellern zu verkommen. Die Zukunft findet anderswo statt. Auf dem «alten Kontinent» hingegen wird seit Jahrzehnten vor überstürztem Handeln gewarnt und mit dem Schlagwort Technologieoffenheit der Anschluss an eine Energierevolution historischen Ausmasses verpasst. Gleichzeitig wird der Ausstieg aus Verbrennermotoren hinausgezögert und der Ausdruck «Veggie-Wurst» verboten. Der Ärger über Klimaprotestierende scheint grösser als über die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ein Teil der Erklärung dürfte in den Interessen der fossilen Industrie liegen, die seit den 1960er-Jahren Unmengen investiert, um Fortschritt in Sachen erneuerbare Energien auszubremsen. Doch die politische Apathie hat auch tiefere, strukturellere Gründe.
In der Bevölkerung wiederum zeigt sich eine Resignation. Die Bereitschaft, individuell etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sinkt. So fliegen auch wieder mehr Schweizerinnen und Schweizer. Das ist auch verständlich, wenn der Eindruck entsteht, der oder die Einzige zu sein, der oder die sich darum kümmert: «Warum soll ich etwas tun, wenn die anderen sich darum foutieren?» In den Sozialwissenschaften ist dieses Phänomen als «Collective Action Problem» bekannt, das eine gemeinschaftliche Regelung im Umgang mit Ressourcen erfordert – Appelle an die Selbstverantwortung allein lösen es nicht.
Und tatsächlich zeigen diverse Studien, dass im Prinzip sehr viele Menschen bereit wären, gemeinsam mehr fürs Klima zu tun. Laut einer Studie von gfs.zürich unterstützten Ende 2025 etwa zwei Drittel der Befragten Schweizerinnen und Schweizer eine Flugverkehrsabgabe. Etwa 90% von weltweit 130 000 befragten Personen wünschten sich im Jahr 2022 mehr politisches Handeln gegen den Klimawandel. Gleichzeitig unterschätzten die Menschen die Zahl der Gleichgesinnten deutlich. In französischen Bürgerräten wiederum haben zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger relativ extreme Vorschläge (im Vergleich zur Politik) für den Umgang mit dem Klimawandel erarbeitet, etwa ein Verbot von Inlandflügen. In der GDI-Studie «Das Zeitalter der Biologie» gaben 90% der Menschen an, dass sie die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen traurig mache. Fast die Hälfte konnte sich für mutige Ideen erwärmen, wie etwa das Verleihen von einklagbaren Rechten für Ozeane, Flüsse und Wälder oder Vorschriften zur ausschliesslichen Nutzung von wiederverwendeten Stoffen. Über 90% sehen aber auch zumindest teilweise die Gefahr, dass ein blindes Technologievertrauen gesellschaftlich notwendige Veränderungen wie ein Verbrennerverbot verhindern kann. Es braucht also nicht nur neue Technologien, sondern auch Regeln zum Rückbau der alten.
Der Teufel steckt im Detail und prinzipielle Zustimmung muss nicht automatisch die Zustimmung zu konkreten Massnahmen bedeuten. Um allgemeine Zustimmung in konkrete Massnahmen umzumünzen, gilt es, Menschen über ihre lokalen Gegebenheiten mitentscheiden zu lassen, Gerechtigkeitsaspekte zu berücksichtigen und Anpassungen nicht einfach als Verzicht darzustellen, sondern auch deren unmittelbare Vorzüge im erlebten Alltag aufzuzeigen – und nicht nur in abstrakten Klimastatistiken. Man kann etwa aufzeigen, dass eine Wärmepumpe auch als Klimaanlage nutzbar ist oder dass die Luftqualität durch Elektrifizierung deutlich verbessert werden kann. Die Schwierigkeit der konkreten Umsetzung kann aber natürlich auch als Vorwand genommen werden, nichts zu tun und jegliche Lösungsideen schlechtzureden. Denn wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.
Die Hitze, die grundsätzliche Bereitschaft, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, und die technologische Revolution, welche die Transformation erleichtert, sollten aber Anlass sein, die Herausforderung anzugehen und die entsprechenden Details auszuarbeiten. Die Alternative ist, aufzugeben oder zu hoffen, dass jemand anderes die Arbeit für uns erledigt – und weiterhin Nebendarsteller einer Energierevolution zu bleiben, die anderswo stattfindet. An dieser Revolution teilzunehmen, ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern bestimmt auch, ob wir am technologischen und wirtschaftlichen Erfolg der Zukunft teilhaben werden.
