Künstlich und doch kreativ? Wie KI die Entwicklung neuer Ideen unterstützen kann
Künstliche Intelligenz wird als das Werkzeug der Zukunft gesehen. Schon heute ist KI im alltäglichen Leben angekommen. Doch kann sie auch kreativ sein und neue Ideen entwickeln? Oder kann sie nur unseren Input verarbeiten? Kann KI bei menschlichen Kreativprozessen eine Rolle spielen? Dazu hat das GDI die Studie «Creative through AI» verfasst. Jetzt kostenfrei herunterladen!
28 Oktober, 2022 durch
Künstlich und doch kreativ? Wie KI die Entwicklung neuer Ideen unterstützen kann
GDI Gottlieb Duttweiler Institute
 

Studien zeigen, dass trotz erhöhter Forschungsausgaben weniger innovative und bahnbrechende Ideen entwickelt werden. Die grosse Hoffnung, das Innovationstempo wieder zu beschleunigen, liegt in der künstlichen Intelligenz (KI). Viele ExpertInnen sind sich indes einig, dass KI allein keine grundlegend neuen Ideen entwickeln wird. Immerhin gibt es jedoch Möglichkeiten, wie KI den Menschen dabei unterstützen kann.

Zu den zahlreichen Möglichkeiten der KI, die menschliche Kreativität zu verstärken, gehört vor allem ihre Fähigkeit, uns von monotonen Aufgaben wie der Suche nach Informationen zu entlasten und uns mehr Zeit für anregende Tätigkeiten zu geben, die zu neuen Ideen führen können.

KI kann aber auch kreativere Aufgaben übernehmen, indem sie Muster in Daten erkennt, die Menschen nicht gefunden hätten. In solchen Fällen übernimmt die KI nicht bloss zeitraubende Aufgaben, sondern kann auch Erkenntnisse liefern, auf die der Mensch selbst nie gekommen wäre. Generative KI kann so sogar völlig neue und für den Menschen überraschende Inhalte schaffen. So haben KI-Tools etwa Drohnenfahrgestelle entwickelt, die leichter sind als ihre von Menschen entworfenen Gegenstücke.

Trotz ihres Potenzials kann die KI nicht alle menschlichen Fähigkeiten unterstützen, die für die Entwicklung von Ideen unerlässlich sind. Beobachtungen im wirklichen Leben oder persönliche Interaktionen beherrscht sie nicht. Desgleichen sind ziellose Erkundungen oder Improvisation eine Herausforderung für KI. So würde ein Tool, das Flugrouten im Hinblick auf CO2-Emissionen optimiert, nicht vorschlagen, dass wir auf den Zug umsteigen oder Sitzungen per Videokonferenz abhalten.

Umgekehrt kann KI die menschliche Kreativität auch stören, wenn sie uns daran hindert, Zeit für Aktivitäten aufzuwenden, die für die Entwicklung neuer Ideen nachweislich wichtig sind: die unvoreingenommene Kommunikation mit anderen, aktives Nachdenken oder geistige Ruhe. Umso verheerender, dass viele digitale Anwendungen heute – sehr erfolgreich – darauf ausgelegt sind, so viel Zeit wie möglich zu verbrauchen. Die Fähigkeit der KI, menschliches Verhalten zu beeinflussen, wird zunehmen, z. B. mit Algorithmen, die unser Verhalten vorhersagen oder in natürlicher Sprache kommunizieren können.

Um das Potenzial der KI für die menschliche Kreativität nutzbar zu machen, sollten wir daher folgende Massnahmen ergreifen:

  • Wir sollten KI für Aufgaben einsetzen, bei denen sie dem Menschen eindeutig überlegen ist und bei denen die Vorteile der menschlichen Ausführung der Tätigkeit (z. B. aufgrund des Erfahrungsgewinns) die Vorteile der Automatisierung nicht überwiegen, wie z. B. die Suche in grossen Literaturbibliotheken.
  • Wir sollten KI-Anwendungen entwickeln, die die Fähigkeiten und Tätigkeiten unterstützen, die für die Ideenentwicklung unerlässlich sind. Menschen sind beispielsweise besser darin zu forschen, ohne ein bestimmtes Ergebnis vor Augen zu haben. Darum sollten KI-Tools es den Menschen ermöglichen, Daten interaktiv zu durchsuchen und schnell Hypothesen zu entwickeln, zu testen und zu verfeinern.
  • Die durch KI gewonnene Zeit sollte für Aktivitäten genutzt werden, die für die Entwicklung neuer Ideen entscheidend sind: der unvoreingenommene Austausch mit anderen oder die aktive Reflexion. Dies erfordert ein gezieltes Vorgehen, denn sonst könnte uns die digitale Technologie dazu verleiten, zu viel Zeit mit unkreativen Tätigkeiten zu verbringen.

Die menschliche Kreativität muss durch KI ergänzt und gleichzeitig vor ihr geschützt werden. Es ist wahrscheinlich, dass in Zukunft die erfolgreichsten Ideen nicht nur von klugen Köpfen kommen, sondern auch von denen, die Maschinen am besten in die gewünschte Richtung zu lenken vermögen.

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