Medienmitteilung: Neue GDI-Studie

SCHÖN, GESUND UND LEISTUNGSFÄHIG: JUNGE STEHEN BESONDERS UNTER DRUCK

Rüschlikon, 27. Mai 2026. Die Menschen sind gestresst und stehen unter Leistungsdruck. Damit wächst das Bedürfnis nach Wohlbefinden. Die neue GDI-Studie «Feelgood Revolution» zeigt erstmals, wie Menschen im DACH-Raum über Ernährung, Gesundheit und Schönheit denken – von Nahrungsergänzungsmitteln über Schlaf bis hin zu Schönheitsoperationen. Die datenbasierte Unterteilung in vier Feelgood-Typen zeigt, wie unterschiedlich Menschen in den drei Bereichen ticken.

Die Mehrheit der Befragten (54 %) empfindet den gesellschaftlichen Druck, «gut» auszusehen, als zu hoch, wie eine repräsentative Befragung des Gottlieb Duttweiler Instituts im DACH-Raum zeigt. Neben gutem Aussehen steht die aktuelle Hochleistungsgesellschaft auch in anderen Bereichen unter Druck. Dabei sind die Jungen überproportional betroffen: Bei den 16- bis 24-Jährigen steht mehr als die Hälfte häufig unter Zeitstress. Nur gerade 12 Prozent gaben an, selten gestresst zu sein. «Die Feelgood Revolution, mit Wellness-Angeboten in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Schönheit, ist die Antwort auf die permanente Überlastung in der Hochdruckgesellschaft» so Studienautorin Christine Schäfer. «Wellness ist zu einer Art Reparaturwerkstatt für das erschöpfte und angeschlagene Subjekt geworden.» Gleichzeitig kann der anhaltende Druck nach Wohlbefinden selbst wiederum als Stressfaktor wirken, was in der Studie als «Wellness-Paradox» beschrieben wird.

Ernährung, Gesundheit und Schönheit verbinden sich zunehmend von ursprünglich getrennten Branchen zu einem integrierten Ökosystem. 2024 erreichte die Wellness-Ökonomie 6.8 Billionen US-Dollar. Damit hat sich der Markt seit 2013 verdoppelt. Bis 2029 soll dieser auf bis zu 9.8 Billionen USD anwachsen. «Die Wellness-Ökonomie ist ein Billionen-Markt, der grösser ist als IT, Sport oder Tourismus», so Christine Schäfer. «Das liegt auch daran, dass wir, anders als etwa beim Essen, bei Wellbeing keine Sättigung verspüren und entsprechend für neue Produkte empfänglich sind.» In der Studie zeigt das GDI die wichtigsten Trends an den Schnittstellen dieses Marktes auf.

Auszug von Zahlen aus der Studie

Wunschalter und gesellschaftlicher Druck
  • 43 % der Befragten fühlen sich jünger als sie tatsächlich sind, nur 13 Prozent fühlen sich älter. – siehe Abb. 27, S. 44
  • Das Wunschalter bei guter Gesundheit ist 90 Jahre (Median). Das liegt 6-8 Jahre über der aktuellen Lebenserwartung. – siehe S. 43
  • 199 CHF (DE: 180 Euro, AT: 161 Euro) würden die Befragten pro Monat in eine wirksame Methode investieren, um ihr Wunschalter zu erreichen. – siehe S. 43
  • Frauen stehen stärker unter Druck beim Aussehen (+ 35 % gegenüber Männern), bei der körperlichen Leistungsfähigkeit (+23 % gegenüber Männern) und bei der gesunden Ernährung (+20 % gegenüber Männern) – siehe Abb. 8, S. 20
Aussehen, Pflegeroutine und Schönheitsoperationen
  • Frauen sind in fast allen Bereichen unzufriedener mit ihrem Aussehen als Männer und investieren mehr in Pflegeroutinen als Männer. – siehe Abb. 30, S. 48 & Abb. 31, S. 49/50
  • Phänomen «Brotox» (Kofferwort aus Bro und Botox): Nachdem in den letzten Jahren die Nutzung von Botox bei Männern massiv zugenommen hat, haben sie im DACH-Raum mit 8 Prozent Nutzungsquote die Frauen (6 %) deutlich überholt. – siehe S. 50
  • 30 % der Befragten (24 % der Männer und 36 % der Frauen) sind offen für Schönheitsoperationen, wenn diese kosten- und risikofrei wären. Die meistgenannten Bereiche sind bei Frauen Brust und Gesicht sowie bei Männern Gesicht, Haare, Nase und Bauch. – siehe Abb. 32, S. 51
Gesundheit, Nahrungsergänzungsmittel und Schlaf
  • 9 % der Befragten in der Schweiz nutzen GLP-1 («Abnehmspritzen») und 15 % könnten sich eine Einnahme künftig vorstellen. – siehe Abb. 36, S. 73
  • 84 % nehmen mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel: Die Top drei Supplements, die mindestens gelegentlich eingenommen werden, sind Mineralstoffe (64 %), Vitamin D (59 %) und weitere Vitamine (57 %). – siehe Abb. 19, S. 35 & Abb. 22, S. 38
  • Knapp 25 % der unter 25-Jährigen konsultieren bei Gesundheitsfragen fast immer oder häufig soziale Medien. – siehe Abb. 13, S. 26
  • Nicht einmal die Hälfte der Unter-40-Jährigen sind mit ihrer mentalen Gesundheit zufrieden. – siehe Abb. 24, S. 40
  • Unter der Woche schlafen 86 % der Befragten mindestens 8 Stunden, am Wochenende steigt dieser Anteil auf 91 %. Trotzdem fühlen sich 51 % der Befragten oft müde. – siehe S. 43

Vier Feelgood-Typen

Menschen ticken bezüglich Gesundheit, Aussehen und Wohlbefinden sehr unterschiedlich. Aus den Befragungsdaten eruierten die Forschenden am GDI vier Feelgood-Typen, die sich über Haltung und Motivation unterscheiden. «Wellness ist kein Generationen-Thema, sondern ein Mindset-Thema», ordnet Schäfer ein.

  • Strugglers: Die Selbstzweifler sehen ihren Körper als Baustelle. Gesundheit und Aussehen sind ihnen wichtig, gleichzeitig fehlt ihnen das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Der Wunsch nach externer Validierung dominiert.
  • Achievers: Die Selbstoptimierer betrachten ihren Körper als Kapital. Sie sind überzeugt, dass Gesundheit und Schönheit mit Disziplin erreicht werden können. Druck, Leistungsorientierung und Status sind ihr Antrieb. Frauen sind in diesem Typ leicht übervertreten. 
  • Balancers: Die Selbstsicheren sehen ihren Körper als Verbündeter. Für sie zählt ein gutes Körpergefühl ohne den sozialen Vergleich. Sie akzeptieren altersbedingte und natürliche Unvollkommenheiten.
  • Agnostics: Die Selbstverweigerer betrachten ihren Körper als Nutzobjekt. Sie haben weder Zeit noch Lust, sich mit Wellness-Themen auseinanderzusetzen. Für sie zählen Funktionalität und maximale Wirkung bei minimalem Aufwand. Männer sind in diesem Typ übervertreten. 

Im GDI-Onlinequiz kann der eigene Feelgood-Typ basierend auf neun Fragen rund um Ernährung, Gesundheit und Schönheit erhoben werden.

Wellness für alle statt für wenige

«Produkte und Dienstleistungen im Wellness-Markt sind oft teuer», so Schäfer. Die Gesundheit wird immer mehr zum privaten Konsumprojekt und verstärkt damit die soziale Schere. Statt Wellness als Privileg für Reiche sollte Wohlbefinden als öffentliches Gut für alle zugänglich sein. Marken, Anbieter und die Politik sollten verantwortlich handeln, um das Vertrauen der Konsument*innen (wieder) zu gewinnen. Die Studie zeigt, dass Letzteres angeschlagen ist: Fast drei Viertel (74 %) halten viele Trends im Beauty- und Anti-Aging-Bereich für reine Geldmacherei. Mehr als die Hälfte (54 %) misstraut den meisten Gesundheitsversprechen. 39 Prozent finden es schwierig, zwischen fundierten und übertriebenen Gesundheitsversprechen zu unterscheiden. Obwohl entsprechende Produkte stark nachgefragt sind, zeigen die Daten, dass Akteure die Einhaltung von Leistungsversprechen und transparente Informationen ernst nehmen müssen. 

Die Studie «Feelgood Revolution: Das neue Ökosystem an der Schnittstelle von Food, Health und Beauty» steht ab sofort kostenlos unter gdi.ch/feelgood zum Download bereit. Für alle, die lieber hören statt lesen, fasst der GDI-Podcast die wichtigsten Studienerkenntnisse zusammen – jederzeit und überall abrufbar.

Für Fragen zur Studie steht Ihnen Studienautorin Christine Schäfer gerne für ein Interview zur Verfügung.


Medienkontakt

Evelyn Reusser
Senior Communications Manager
GDI Gottlieb Duttweiler Institute
Rüschlikon
Telefon +41 44 724 62 05
medien@gdi.ch 

Über das Gottlieb Duttweiler Institut

Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) ist der älteste Think Tank der Schweiz. Als Ort für Inspiration, Innovation und strategische Impulse bringt das GDI Entscheidungsträger*innen zusammen, um die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten. Das GDI verbindet Forschung und Praxis, um gemeinsam mit Unternehmen wegweisende Strategien zu entwickeln. Es stärkt Führungskräfte in den Bereichen Handel, Ernährung und Gesundheit und bietet Orientierung in Zeiten des Wandels – stets mit Blick auf gesellschaftliche, technologische und ökologische Veränderungen. Das unabhängige Institut wird vom Migros-Kulturprozent unterstützt.