Feelgood Revolution (DE)
Das neue Ökosystem an der Schnittstelle
von Food, Health und Beauty
Autoren: Christine Schäfer, Dr. Gianluca Scheidegger, Dr. Johannes C. Bauer
GDI Studie Nr. 61
Sprachen: Deutsch, Englisch
2026
DOI 10.59986/QDQU6777
Die Menschen sind gestresst und stehen unter Leistungsdruck. Damit wächst das Bedürfnis nach Wohlbefinden. Die neue GDI-Studie «Feelgood Revolution» zeigt erstmals, wie Menschen im DACH-Raum über Ernährung, Gesundheit und Schönheit denken – von Nahrungsergänzungsmitteln über Schlaf bis hin zu Schönheitsoperationen.
Denn Wellness ist längst mehr als ein Lifestyle-Trend. Der Markt zählt zu den am schnellsten wachsenden weltweit und soll von rund 6 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 auf knapp 9 Billionen US-Dollar im Jahr 2028 anwachsen.
Im Fokus stehen unter anderem folgende Fragen:
- Wie zufrieden sind Menschen im DACH-Raum mit ihrem Aussehen sowie ihrer mentalen und physischen Gesundheit?
- Wie gross ist der wahrgenommene gesellschaftliche Druck, gut auszusehen, gesund und leistungsfähig zu sein und sich gesund zu ernähren? Hat dieser in den letzten Jahren eher zu- oder abgenommen?
- Wo informiert sich die Mehrheit über Gesundheitsfragen? Bei Suchmaschinen, KI-Anwendungen oder bei Ärztinnen und Apothekern?
- Wie verbreitet sind kosmetische Eingriffe wie Botox oder sogenannte «Schönheits-OPs» und wie gross ist die Bereitschaft dazu, wenn finanzielle Hürden wegfallen?
- Wie alt fühlen sich Menschen tatsächlich und wie jung möchten sie aussehen?
- Was motiviert Menschen, sich gesund oder schön zu halten?
- Wer ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung? Jeder für sich selbst? Die Lebensmittelproduzenten? Die Regierung? Oder alle ein bisschen?
- Würden die Menschen es begrüssen, wenn der Detailhandel «ungesunde» Lebensmittel aus dem Sortiment nimmt?
Jahre beträgt das Wunschalter bei guter Gesundheit
sind offen für Schönheitsoperationen
Supplements nehmen die Menschen im Schnitt ein
der U40er sind mit ihrer mentalen Gesundheit zufrieden
Vier Feelgood-Typen
Auf Basis von Einstellungen und Werten identifiziert die Studie vier Feelgood-Typen: Strugglers, Achievers, Balancers und Agnostics.
Daraus leitet das GDI konkrete Implikationen für Industrie und Handel ab und zeigt auf, wie sich Unternehmen im Spannungsfeld von Food, Health und Beauty zukunftsfähig positionieren können.
Für alle, die lieber hören statt lesen, fasst der GDI-Podcast die wichtigsten Studienerkenntnisse zusammen – jederzeit und überall abrufbar.
Superfoods, Schlaftracking, Skincare-Routine – das Gesundheitsbewusstsein hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Menschen achten stärker auf ihren Körper, sie ernähren sich gesünder, bewegen sich mehr und verzichten auf Alkohol. Kampagnen wie «Dry January» machen deutlich, wie Gesundheit ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Gleichzeitig sind der Zeit-, Leistungs- und Optimierungsdruck und damit krankmachender Stress gestiegen. Um die hohen Erwartungen an sich selbst und seine Umwelt zu erfüllen, hetzt das rastlose Individuum von einem Termin zum nächsten. Zeitstress ist zum Massenphänomen geworden, von dem besonders Frauen und Jüngere betroffen sind. Als Reaktion wächst das Bedürfnis nach Entschleunigung, mentaler Gesundheit und Selfcare: Yoga- und Meditationskurse, Kollagen-Drinks, Naturkosmetik.
Die GDI-Studie «Feelgood Revolution» beschreibt, wie an der Schnittstelle von Ernährung, Gesundheit und Schönheit die neue Wellness-Ökonomie entsteht. Ein Billionen-Markt, der grösser ist als IT, Sport oder Tourismus. Sportartikelhersteller eröffnen Fitnessstudios, Lebensmittelhersteller bauen ihre funktionalen Getränkesortimente aus, Kosmetikkonzerne kaufen Longevity-Kliniken. Die Studie analysiert, wie sich die tradierten Branchenlogiken verändern und Lebensmittel, Kosmetik und Medizin zum Teil eines ganzheitlichen Wohlbefindens werden. Konsument*innen suchen nicht mehr nur nach Produkten, die sie entweder satt oder gesund oder attraktiv machen. Sie wollen die eierlegende Wollmilchsau, die alle Bedürfnisse gleichzeitig abdecken kann. Ging man früher zum Arzt, geht man heute in den Barber-Shop, wo neben Gesichtsmasssagen auch Blutdruckanalysen angeboten werden.
In der Feelgood-Revolution wird Wohlbefinden zum Orientierungsrahmen für Konsum- und Lebensentscheidungen. Eine repräsentative Befragung von über 3’000 Personen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt: Fast alle finden körperliche und mentale Gesundheit wichtig, und knapp die Hälfte erachtet Ernährung, Gesundheit und Aussehen gleichzeitig als relevant. Auf Basis der Befragung identifiziert die Studie vier Feelgood-Typen (Strugglers, Achievers, Balancers, Agnostics), die sich in Haltung und Motivation unterscheiden, und leitet daraus Implikationen für Industrie, Dienstleistungsanbieter, Hospitality und Handel ab. Die zentrale These: Wellness ist kein Generationen-Thema, sondern ein Mindset-Thema.
Gleichwohl: Der Druck, Gesundheit, Fitness, Aussehen und Lebensdauer zu optimieren, kann selbst zum Stressfaktor werden. Die Feelgood-Revolution ist Antwort auf Überlastung und zugleich Teil des Problems. In dem Masse, wie Gesundheit zum privaten Konsumprojekt wird, öffnet sich die soziale Schere. Denn: Wellness ist kein billiges Vergnügen. Aufenthalte in Longevity-Kliniken oder Diagnostikpakete kosten viel Geld. Und Zeit. Damit Wellness nicht zum Privileg für Reiche wird, fordert die Studie eine neue Verantwortung von Marken, Anbietern und Politik: Wohlbefinden soll nicht zur Ware werden, sondern zum öffentlichen Gut. Angebote sind so zu gestalten, dass sie nicht nur für eine informierte und zahlungskräftige Klientel zugänglich sind. Wellness für alle! Am Ende geht es um die richtige Balance: Weg von permanenter Selbstoptimierung und Selbstkontrolle hin zu entspannten Alltagspraktiken, die Genuss und Disziplin versöhnen.
Studienautor*innen
Christine Schäfer
Senior Researcher
christine.schaefer@gdi.ch
+41 44 724 62 03
Dr. Gianluca Scheidegger
Senior Researcher
gianluca.scheidegger@gdi.ch
+41 44 724 62 43
Dr. Johannes C. Bauer
Head of Think Tank, Member of the Executive Board
johannes.bauer@gdi.ch
+41 44 724 62 08