«Wieso leiden? Sie würden nicht leiden»
Gegen die Schuldenkrise hilft nur der Schuldenerlass, meint Occupy-Mitgründer David Graeber. Für die Schweiz wäre der kein Problem. Ein Gespräch mit dem neuen Star der Kapitalismuskritik, der im Herbst ins GDI kommt.
30 Juli, 2013 durch
«Wieso leiden? Sie würden nicht leiden»
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Herr Graeber, sie fordern einen umfassenden Schuldenschnitt. Aber würde sich denn durch einen Schuldenerlass irgendetwas ändern? Oder machen wir dann einfach so weiter wie zuvor, nur mit geräumten Konten?


Und wie?


Können wir unsere Probleme noch ein paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte vertagen?


Vermutlich haben sich die Vermögensbesitzer nie einfach in ihr Schicksal eines Schuldenschnitts gefügt. Da hat es wohl schon immer Lobbyismus dagegen gegeben?



Sie sitzen jetzt gerade in der Hauptstadt Deutschlands und werden für ein Schweizer Magazin interviewt. Und sowohl Deutschland als auch die Schweiz stehen eher auf der Gläubiger-Seite in der aktuellen Weltwirtschaft. Diese beiden Länder würden also durch einen Schuldenerlass besonders hart getroffen.



In der Schweiz wurde Ihr Buch sehr interessiert aufgenommen. Wohl auch, weil viele hier ihren Job darin sehen, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein: Ein Schweizer Banker muss auch bei einem weltweiten Schuldenerlass das Vermögen seiner Kunden sichern. Und sogar wenn die Occupy-Bewegung im ganzen Abendland die Macht übernehmen würde, müsste immer noch das Schweizer Konto als Bollwerk des Vermögens überleben. Sie sind da derzeit die grösste Bedrohung.


Irgendwelche Tipps, wie man dann das mit dem Finanzsystem hinbekommt? Vermögenswerte aus Geld in Aktien, aus Aktien in Gold, aus Gold in Rohstoffe?



Aber ein Transfer in reale Werte wäre doch ein logischer Schutz des Vermögens vor einem Schuldenschnitt?



Wir sollten uns also nicht zu viele Gedanken darum machen, ob das oberste Prozent unserer Bürger unter einem Schuldenschnitt leiden würde?


In den USA.


Um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern.


Wenn das Ende des Kapitalismus weniger friedlich verläuft als Sie sich das vorstellen, sind wir bei Ihrer zweiten Option: dem Auseinanderbrechen von Gesellschaft. Wie müssen wir uns das vorstellen? Krieg? Bürgerkrieg?


Aber es sieht da draussen ja eher nach mehr Gewalt aus.








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