Wer nur Ökonom ist, wird nie ein guter Ökonom sein
Die Ökonomie sei kulturell geprägt und habe ethische Verpflichtungen, sagt Tomáš Sedláček. Bevor der Bestsellerautor im Januar am GDI spricht, lesen Sie hier die Eckpunkte seines Denkens.
12 Mai, 2012 durch
Wer nur Ökonom ist, wird nie ein guter Ökonom sein
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Da provoziert einer seine eigene Zunft. Der junge Ökonom Tomáš Sedlá?ek ruft zu völlig neuem ökonomischem Denken und Handeln auf. Mit dem internationalen Bestseller «Die Ökonomie von Gut und Böse» sprengt er die Grenzen der Ökonomie: indem er ihre Verwurzelung in der menschlichen Kulturgeschichte freilegt, und indem er die Ökonomie in die ethische Pflicht nimmt, uns aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen Misere zu führen.

Im Januar wird Sedlá?ek im GDI Gottlieb Duttweiler Institute eine Neubetrachtung unserer Wirtschaft unternehmen. Er wird sich dabei an seinem Buch orientieren. Im Folgenden lesen Sie hier eine Einführung ins Denken Sedlá?eks anhand ausgewählter Zitate aus «Die Ökonomie von Gut und Böse» (2012, Hanser).

Warum kulturelle Mythen zentral für unser Verständnis der Ökonomie sind:
«Zuerst erklärten Mythen und Religionen den Menschen die Welt, die im Grunde die gleichen Fragen stellten wie wir heute; inzwischen hat die Wissenschaft diese Rolle übernommen. Um diese Verbindung sehen zu können, müssen wir uns also mit den Mythen und der Philosophie lange zurückliegender Zeiten beschäftigen. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben: um in alten Mythen nach ökonomischen Gedanken zu suchen und auch umgekehrt nach Mythen in der heutigen Ökonomie.»

Warum wir den Vater der ökonomischen Theorie falsch verstehen:
«Die Ökonomen sollten an die Kraft der Geschichten glauben. Adam Smith tat das. In ‚Theorie der ethischen Gefühle’ schreibt er: ‚Der Wunsch, dass man uns Glauben schenken möge, der Wunsch, andere Leute zu überzeugen, zu führen und zu leiten, scheint eine der stärksten von allen natürlichen Begierden zu sein.’ Dieser Satz stammt von dem vermeintlichen Vater des Konzepts, dass das Eigeninteresse die stärkste natürliche Begierde sei!»

Warum ein guter Ökonom ein Kulturkenner sein muss:


Warum Ökonomie ein Kampf der Geschichten ist:

Warum die Ökonomie eine normative Wissenschaft ist:
«Wenn ein Ökonom im Fernsehen eine scheinbar harmlose Frage zum Inflationsgrad beantwortet, wird er umgehend mit einer weiteren Frage konfrontiert (häufig wird er sie sogar selbst stellen): Ist das Ausmass der Inflation gut oder schlecht, sollte die Inflation höher oder niedriger sein? Selbst bei so technischen Fragen sprechen die Analysten sofort von ‚gut’ und ‚schlecht’ und geben normative Urteile ab: Sie sollte niedriger (oder höher) sein. (...) Es ist paradox, dass ein Gebiet, das sich vorwiegend mit Werten beschäftigt, wertfrei sein will. Und dass ein Gebiet, das an die unsichtbare Hand des Marktes glaubt, frei von Geheimnissen sein will.»

Worum es Sedlá?ek geht:
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