Raus aus der Krise
Wollen wir unsern Wohlstand wahren, müssen wir die Wirtschaft abspecken. Zehn Thesen, Teil 1.
4 März, 2012 durch
Raus aus der Krise
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Seit Monaten leidet die globale Wirtschaft unter der Krise. Verlieren wir nun unseren Wohlstand? David Bosshart, Leiter des GDI Gottlieb Duttweiler Institute, analysiert in seinem neusten Buch „The Age of Less“ die ökonomische Untergangsstimmung und präsentiert eine „neue Wohlstandsformel für die westliche Welt.“ In zehn Thesen analysiert der Trendforscher die dringendsten Probleme und beschreibt Lösungen. Wir präsentieren hier die ersten drei in Kürze:

1. Schluss mit den illusionären Erwartungen

Wollen Politiker gewählt werden, müssen sie Versprechen abgeben, die sie nie umsetzen können. Marken versprechen ebenso illusorische Leistungen wie Manager. Die Folge ist Angst – vor Kontrollverlust, Imageschaden und Überschuldung. Unsere gesamte Wirtschaft ist angstgetrieben, und wie begegnen wir dieser Entwicklung? Mit dem Verlangen nach „mehr vom selben“. Selbst wenn wir uns nichts mehr leisten können, tun wir so als ob: „If you can’t make it fake it“, wie man in den USA sagt. Eine Redenwendung, die brutal an das Gebaren der Finanzmärkte erinnert.

Wir müssen diese Anspruchsinflation beenden. Nur eine Wirtschaft, nur eine Politik, in der die Menschen realistische Hoffnungen haben, kann nachhaltig funktionieren.

2. Weg von der Ich-AG, hin zum Wir

In unserer vernetzten Welt existiert das Ich nur im Bezug auf ein Wir. Die eben noch führenden Nationen des Westens können eine globalisierte Wirtschaft nicht mehr in alter Manier steuern. Ihre soziale Struktur verändert sich: Wo wir früher noch eine Erste, Zweite und Dritte Welt hatten, finden sich diese Sortierungen nun innerhalb der Nationen. Dazu kommen neue politische Akteure: Emerging Nations, NGOs, para-und supranationale Organisationen oder Online-Aktivisten. Befehlen bringt hier nichts mehr, eher müssen wir Konfliktpotenziale entschärfen und neue Gleichgewichte finden.

Der Erfolg eines Staates definiert sich über seine erfolgreiche Beziehung zu andern Akteuren. Das geht nur über gegenseitige Support-Systeme, die nicht den Kollaps des einen zum Gewinn des andern machen. Am Beispiel Griechenland wird sich zeigen, ob wir für einen solchen Mindset bereit sind.

3. Wir müssen kleiner werden

Städte, Autos, Unternehmen, Behörden, Löhne – wir wollen alles immer grösser. Doch mit der Grösse steigen auch Abstraktheit, Komplexität und das Risiko. Statt alles der Grösse, dem Preis und dem kurzweiligen Vorteil unterzuordnen, würden wir besser ein Redesign der Grösse anstreben, und zwar durch:

- Rezyklieren, z.B. Unternehmensgewinne

- Regenerieren, z. B. Energie

- Reformulieren, z. B. Ernährung

Wichtiger als Masterpläne sind tragfähige lokale Kleinstrukturen: In den entwickelten Ländern werden bis 80% der Jobs durch kleine und mittlere Unternehmen geschaffen.

Hier gehts zu Teil 2 der Thesen.

Zu David Bossharts Buch „The Age of Less. Die neue Wohlstandsformel der westlichen Welt“.

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