«Politiker brillieren selten als Intellektuelle»
Wie kommen neue Ideen in die Welt? Heute nicht anders als vor 2500 Jahren, sagt der US-Soziologe Randall Collins: Dank Netzwerken und Streit. Ein Gespräch über die Voraussetzungen für intellektuellen Fortschritt.
1 September, 2014 durch
«Politiker brillieren selten als Intellektuelle»
GDI Gottlieb Duttweiler Institute



Herr Collins, Sie haben die Entwicklung des Denkens und der Denker in der gesamten Weltgeschichte verfolgt. Was ist der grosse Unterschied zwischen unserer Ära der globalisierten Wissensgesellschaft und früheren Epochen?


Keinen?


Und das ist?


Was ist das Typische an Denker-Netzwerken?


Dafür sollte ich allerdings zumindest eine Vorstellung haben, in welchem Fachgebiet ich mich hervortun möchte.


… gegen alles Alte?


So wie schon immer über die Jugend von heute geseufzt wurde, hat sie auch schon immer das Neue in die Welt gebracht?


Platon hat den Mythos des Philosophen-Königtums geprägt. Die jeweils klügsten Köpfe sollten auch den Staat regieren, war seine Forderung. Aufgegriffen wurde sie jedoch nur selten – und wenn, dann meist nicht erfolgreich. Können Denker nicht herrschen?


Und Winston Churchill? Der war ja nicht nur erfolgreicher britischer Premierminister, sondern immerhin auch Literaturnobelpreisträger.


Hat sich die Zahl der für die Menschen verkraftbaren Denkschulen durch den technischen Wandel nicht doch verändert? Vor fünf Jahrhunderten zum Beispiel – durch den Buchdruck und die folgende Wissensexplosion?


Es fühlt sich aber komplett anders an. Wir leben doch in Zeiten von Flugzeug und Internet, wir können doch weltweit in Sekundenschnelle mit jedem beliebigen Menschen kommunizieren?



Wie sieht es eigentlich mit den derzeit vorherrschenden Denkschulen aus?



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