Die Stadt als idealisierte Projektionsfläche
Städte sind Sehnsuchtsorte. Sie gelten gemeinhin als Orte des offenen Diskurses und der Möglichkeiten. Und durch den richtigen Instagram-Filter betrachtet, scheint jede von ihnen ein Paradies zu sein. Doch das Erfolgsmodell Stadt beginnt brüchig zu werden, schreibt Marta Kwiatkowski in der GDI-Studie «Future Public Space».
8 August, 2018 durch
Die Stadt als idealisierte Projektionsfläche
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Dieser Text ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Future Public Space – Die Zukunft des öffentlichen Raums». Sie steht gratis zum Download bereit.

Der öffentliche Raum dient als Projektionsfläche für Ideen, Bilder und Wünsche – aber auch für Utopien. Er ist ein Möglichkeitsraum, in dem sich mit Idealen, etwa mit bestimmten Wohnformen, experimentieren lässt. Diese Idealbilder stehen in einem Spannungsverhältnis zur Realität der Städte, wo es stets auch um praktische Nutzungsperspektiven geht. Die Stadt als Ort des offenen Diskurses und der freien Zusammenkunft wird nicht selten romantisiert. Durch Soziale Medien, beispielsweise Instagram, wird das Image von Städten als Sehnsuchtsorte noch um eine zusätzliche, eine ästhetische Dimension erweitert. Der «gefilterte» Blick verklärt, perfektioniert und idealisiert das Bild einer Stadt noch mehr.

Doch gleichzeitig ist – gewissermassen antithetisch – auch eine Entromantisierung der Stadt festzustellen: Städte werden assoziiert mit Dreck, Müll, Lärm, Smog und anderen Emissionen. Es gibt Müllhauptstädte (Neapel), Lärmhauptstädte (Mannheim, Kairo), Stauhauptstädte (Jakarta) und Feinstaubhauptstädte (Stuttgart). In der Schweiz gilt Genf als Stauhauptstadt, Bern wird in den Medien zuweilen als Diebstahlhochburg apostrophiert und Zürich gilt – mit einem 3. Rang im europaweiten Ranking – gemeinhin als Kokainhauptstadt der Schweiz. Solche wenig schmeichelhaften Zuschreibungen, die in zahlreichen Rankings auf eine quantifizierende Grundlage gestellt werden, kratzen am Image der Städte. Beginnt die Stadt als Erfolgsmodell brüchig zu werden?

 

Mehr zum Thema in der Studie «Future Public Space – Die Zukunft des öffentlichen Raums».

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