«Dann bin ich gespannt, wo Sie noch investieren»
Spenden soll weiterhin steuerfrei bleiben. Im Interview nennt Stiftungsberater Ulrich Brömling die Gründe und erklärt ausserdem, warum Schweizer weniger spenden als Amerikaner.
1 September, 2013 durch
«Dann bin ich gespannt, wo Sie noch investieren»
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Herr Brömmling, zwei der reichsten Männer der Welt geben ihr Vermögen mit voller Absicht weg. Warum machen Warren Buffett und Bill Gates das?
Weil sie es wollen. Für Amerikas Reiche ist es fast eine Selbstverständlichkeit, zu spenden oder Stiftungen zu errichten.

Ihr Giving Pledge, das «Gelöbnis zum Geben», hat bereits hundert weitere Superreiche zum Mitspenden bewegt. Wäre das anderswo auch möglich?
In Deutschland ist so etwas wie Giving Pledge unvorstellbar. Wer hier grosse Beträge spendet oder stiftet, bleibt häufig im Hintergrund. Man fürchtet Entführung oder Gewalt, wenn der Reichtum allzu bekannt wird.

Und in der Schweiz? Hier sind immerhin 12 715 Stiftungen aktiv, mit einem Vermögen von mehr als siebzig Milliarden Franken.
Aus den Mengenangaben zu einzelnen Ländern lässt sich noch nichts schliessen. Die Niederlande zum Beispiel haben die grösste Stiftungsdichte Europas – und doch würde man dort nicht von einer besonderen Stiftungsbegeisterung sprechen. Denn die «stichting» ist dort an die Stelle des Vereins getreten. Aber die Schweiz hat tatsächlich ein lebendiges Stiftungswesen. In der Schweiz sind Stiftungen kleiner, aber selbstverständlicher.

Arundhati Roy spricht vom «Kapitalismus der Wohltäter» bei Bill Gates und anderen US-Stiftungen. Was kritisiert die bekannte indische Schriftstellerin?
Die Vorwürfe von Frau Roy sind, glaube ich, noch gar nicht so richtig bei den Stiftungen angekommen. Das ist wirklich schwere Kost. Sie kritisiert die Konzernstiftungen dafür, dass sie in den letzten hundert Jahren mit ihrer Arbeit vor allem den eigenen Interessen gedient hätten. Demokratisierung in Entwicklungsländern hiess eben auch Schaffung neuer Märkte. In letzter Konsequenz machten die Stiftungen dort weiter, wo Missionare und Kolonialherren aufgehört hatten.

Treffen solche Vorwürfe zu?
Ich will es gar nicht im Einzelnen aufzählen, aber in letzter Konsequenz hatte die Rockefeller Foundation ihren Anteil am Sturz Salvador Allendes. Heute würden sich Stiftungen in Netzwerke der Zivilgesellschaft einkaufen und dort bestimmen, welcher Protest genehm sei und welcher nicht. Hier nennt Roy als Beispiel die Ford Foundation mit Aktivitäten in Indien.

Wie bewerten Sie das?
Roys Vorwürfe sind besonders schwerwiegend, aber sie sind nicht neu. Und so traurig es ist: Sie sind in ihrer grossen Linie wissenschaftlich belegt. Etwa wenn es um die Rolle der Rockefeller Foundation in den Sozialwissenschaften geht.

Stiftungen arbeiten steuerbefreit. Muss das so sein? Man hat den Eindruck, in der Stiftungsszene ist dies eine Tabufrage.
Bei Tabufragen ist es immer hilfreich, zu den Nachbarn zu schauen. So gibt es in einigen Ländern keine Steuererleichterung für Stiftungen, die auch gemeinnützig tätig sind, wenn sie ein Gewerbe betreiben. Bei den Spenden ist der Zusammenhang von Steuerbefreiung und Spendenfreudigkeit überhaupt nicht belegt. Die Norweger spenden fleissig. Steuerlich geltend machen können sie nur Spenden an ausgewählte Organisationen – und das auch nur bis zu einer jährlichen Höhe von maximal 2000 Euro. Da kann ich nur sagen: «Aber nicht alles auf einmal ausgeben!»

Dies ist ein Auszug. Den ganzen Artikel finden Sie in der Printausgabe von GDI Impuls 4.2012. Hier gehts zum Archiv.

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