Atomwaffen verhindern den dritten Weltkrieg
Was passiert mit Europa, nun, da Donald Trump Präsident der USA ist? Und weshalb machen atomare Waffen die Welt friedlicher? Antworten zu solchen machtpolitischen Fragen liefert der deutsche Philosoph Hermann Lübbe hier im Interview – und hochkarätige Denker an der Konferenz zur «Zukunft der Macht» am 16. Januar im GDI.
8 November, 2016 durch
Atomwaffen verhindern den dritten Weltkrieg
GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Herr Professor Lübbe, Sie haben 1997 in Ihrem Buch «Modernisierung und Folgelasten» geschrieben, dass die Bedeutung von Metropolen im Zuge globaler und dezentraler Netzwerkeffekte abnehmen werde. Würden Sie das heute noch ähnlich formulieren?




Experten erhalten ihren Status aufgrund ihres Fachwissens. Durch das Internet wurde aber Fachwissen für jeden frei verfügbar. Was bedeutet das für die Stellung und Funktion des Experten?



Eine Parallele dieser Demokratisierung des Wissens hat ja auch im Bereich der Politik stattgefunden. Die Masse könnte heute besser informiert sein, ist es vielleicht auch. Was bedeutet es für diesen Gegensatz von Elite, die früher die Macht inne hatte, und Masse, die traditionell weniger Macht besass? Wie verschiebt sich dieses Verhältnis heute? Wer hat heute Macht?




Zusammengefasst sagen Sie also, dass den Menschen in einer immer komplexer werdenden Welt bewusst wird, dass sie auf Experten und deren Fachwissen angewiesen sind. Gleichzeitig steigt das Misstrauen gegenüber diesen Experten und Eliten. Ist das kein Widerspruch?


Welche Rolle würden Sie innerhalb dieses Prozesses den Medien, verstanden als vierte Macht im Staat und Informationsvermittler zwischen Regierung und Souverän, zuteilen? Welche Funktion werden die Medien morgen noch besitzen?


Wir beobachten eine Säkularisierung in Westeuropa. In einer kürzlich am GDI vorgestellten Studie zur «Zukunft der Weltreligionen» hat sich gezeigt, dass die Religionen ausserhalb Westeuropas an Bedeutung gewinnen. Wie würden Sie diese Beobachtung einordnen?









Europa hat ein sehr grosses Verlangen nach Frieden. Gleichzeitig muss man aber auch feststellen, dass sich die globalen Konstellationen verändern. Die Zeiten, in denen wir glaubten, es würde nie mehr Krieg geben, sind inzwischen vorüber. Man muss sich heute die Frage stellen: Ist Europa bereit für eine neue Welt mit ihrem stärkeren Hang zu Konflikten – sei es bewaffneter Konflikt zwischen Staaten, sei es in der Form von Terrorismus?


Wenn sich jetzt bewahrheiten sollte, dass Donald Trump zum neuen amerikanischen Präsidenten würde, dann müsste man wohl davon ausgehen, dass die Bereitschaft der Nato, Europa zu helfen, schwindet. Was bleibt Europa dann noch?


Also bleibt uns, zu vertrauen und zu hoffen, dass die Welt friedlicher wird?



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