GDI IMPULS 4.2010 - Summaries

Summaries

Zusammenfassung (PDF)

David Bosshart > Seite 8
WORKSTYLE Die Arbeit erobert sich den Platz im Zentrum unseres Lebens zurück. Das ist im «Age of Less» aus der Not geboren: Der Einzelne wird mehr leisten müssen, um seinen Standard zu halten. Aber es ist auch unserer Natur geschuldet: Der Mensch ist ein tätiges Wesen; seine Fähigkeit, etwas zu leisten, hat ihm geholfen, sich durchzusetzen, in der Natur ebenso wie in der Globalwirtschaft. Entscheidend ist derzeit die Kombination aus Not und Natur: Wenn die Menschen evolutionär überleben wollen, müssen sie sich als tätige Wesen definieren. Dafür muss Arbeit eingebettet sein in das, was wir Lebensqualität nennen, und darf nicht davon abgetrennt werden: Der richtige «Workstyle» bestimmt letztlich den Lifestyle.

Detlef Gürtler> Seite 16
DIE GELD-GLÜCKS-MATRIX Der Versuch der Ökonomen, menschliche Tätigkeit auf den Geldwert zu reduzieren, ist nichts anderes als der Versuch, das Leben in das Prokrustesbett des Homo oeconomicus zu zwängen. Stattdessen sollte neben der Geld-Dimension eine weitere Dimension berücksichtigt werden: Glück. Praktisch jede individuelle Entscheidung für eine Tätigkeit lässt sich darauf zurückführen, dass man glücklich sein oder werden und/oder reich sein oder werden möchte. Entsprechend diesen Dimensionen lässt sich jede Tätigkeit in einer Geld-Glücks-Matrix verorten. Sie bildet die Basis für eine Ökonomie, die die rein monetäre Sphäre verlässt und auch die nichtmonetären Aspekte menschlicher Tätigkeiten untersucht. Als Begriff hierfür wird Individualökonomie vorgeschlagen.

Anja Dilk . Heike Littger > Seite 20
FREI-POTENTIALS Der Arbeitsgesellschaft geht nicht wie einst befürchtet die Arbeit aus. Ihr fehlen ganz im Gegenteil die Talente, und das umso mehr, je stärker die Gesellschaft altert. Unternehmen, die die demografische Herausforderung bewältigen wollen, müssen drei Gruppen potenzieller Beschäftigten für sich gewinnen: die Alten, die Jungen und die Familienmenschen. Eine biologische Basis für einen generellen Ruhestand zwischen sechzig und siebzig existiert nicht, die Alten von morgen wollen aktiv am Berufsleben teilnehmen. Die Familienmenschen mögen zwar für den herkömmlichen, gradlinigen Karriereweg kaum einsetzbar sein. Aber sie können Know-how, Kontakte und Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebenswelten in ihre Arbeit einbringen, die sie in der Familienzeit gesammelt haben.

Gespräch mit Norbert Walter > Seite 26
IM UNRUHESTAND Das Abendland ist gerade dabei, über die Nichtbereitstellung von Humankapital, das heisst durch Faulheit, sein Erbe zu verschleudern. Das Weiter machen nach dem Ruhestand ist für die Gesellschaft eine Möglichkeit, gegenzusteuern. Unternehmen, die es ernst damit meinen, müssen schon weit früher als beim Erreichen des Rentenalters aktiv werden – insbesondere in Sachen Weiterbildung: Wenn Ingenieure noch zehn Jahre länger gebraucht werden, müssen oder dürfen sie mit sechzig Jahren noch einmal zur Uni. Wenn der Staat das Ausstiegsalter nicht mehr vorgibt, muss es andere Stellen geben, die zum Aufhören mahnen. Das kann der Markt sein, die Familie oder der Hausarzt.

Norbert Streitz > Seite 30
AURA AM ARBEITSPLATZ Die technische Entwicklung hat dazu geführt, dass der Arbeitsplatz im traditionellen Sinn nur noch eine von vielen Wertschöpfungslösungen ist. Und wie der Arbeitsplatz fliessend wird, wird es auch die Arbeitszeit. Damit droht das klassische Büro zum Auslaufmodell zu werden. Die Infrastruktur für Erwerbstätigkeit wird deshalb immer mehr von den Bewirtschaftern des öffentlichen Raumes zur Verfügung gestellt. Um dort zu arbeiten, benötigt man dann keine eigenen Geräte mehr – sondern nur eine persönliche Aura, mit der man Public Devices für die Dauer der Nutzung persona lisiert. Wichtig ist bei allen Entwicklungen, die neue Technik und neues Arbeiten zusammenbringen, dass sie den Menschen miteinbeziehen – insbesondere seinen Wunsch, selbst über seine Angelegenheiten zu entscheiden.

Detlef Gürtler > Seite 36
GO FOR AGORA Konzerne sind, neben Nordkorea, das letzte Bollwerk der Planwirtschaft auf Erden. Doch die zentrale Steuerung ökonomischer Prozesse, die auf volkswirtschaf tlicher Ebene gescheitert ist, geht auch auf Unternehmensebene ihrem Ende entgegen. An die Stelle der hierarchisierten Unternehmensorganisation der Pyramide tritt die Agora – dieser zentrale Platz der antiken griechischen Stadtstaaten war der Ort des materiellen sowie des immateriellen Austauschs, war Markt- und Tummelplatz zugleich. Und ohne den Aufbau von internen marktwirtschaftlichen Strukturen werden auch künftige Unternehmen die Komplexität der modernen Wissensgesellschaft nicht bewältigen können.

Gespräch mit Matt Richtel > Seite 42
«MULTITASKING IST EIN MYTHOS» Die Natur hat unser Gehirn nicht auf Multitasking eingerichtet, und ein paar neue Kommunikationsmittel können daran wenig ändern. Wenn wir von Gerät zu Gerät hüpfen, schaden wir damit der Qualität unserer Arbeit – wir sind jederzeit ablenkbar. Und süchtig werden wir noch dazu: Wir bekommen einen Dopamin-Kick, wenn uns neue Nachrichten erreichen, der uns jedoch nur kurzfristig befriedigt. Die Folge: Wir checken unsere Geräte, anstatt zu arbeiten. Im «always on»-Modus blockieren wir uns selbst: Erst wenn wir dem Gehirn eine Auszeit gönnen, kann es Informationen in Wissen übersetzen. Deshalb sollte jeder hin und wieder ein paar Tage Offline-Urlaub einlegen.