1. Die Stadt im Jahr 2030 ist intelligent und vernetzt
Ampeln und Strassenlaternen, Mülltonnen und Banken und dergleichen sind mit Sensoren und Benutzerschnittstellen ausgestattet: Diese steuern den Energieverbrauch – und alle anderen Betriebsaspekte – gemäss dem tatsächlichen Bedarf und liefern ständig aktuelle Statusinformationen und Benutzerrückmeldungen an Stadtverwaltungen und an Elektrizitätsversorgungs- und Entsorgungsunternehmen.

Auch im Alltag ist fast jedes Gerät vernetzt, und das Internet der Dinge ist eine Stütze im Alltag geworden. Daten, die von Sensoren in Alltagsgegenständen gesammelt werden, werden in der Cloud gespeichert und, falls erwünscht, an unterschiedliche Dienstleistungsanbieter zur Auswertung und für Verbraucheranregungen weitergegeben.

Stadtverwaltungen arbeiten mit dem privaten Sektor zusammen, um die Infrastruktur und den Datenschutz bereitzustellen, die/der erforderlich ist, um die Sicherheit der Bürger und die Datensouveränität zu gewährleisten.

2. In der Stadt im Jahr 2030 ist Mobilität polymodal und postfossil, und der Durchgangsverkehr wird auf ein Minimum reduziert
Mobilität ist eine Dienstleistung geworden. Ein Auto zu besitzen, wird zunehmend weniger wichtig. Der individuelle Autoverkehr ist aus Stadtzentren verschwunden, ebenso wie die Mehrzahl an privat genutzten Autos. Private Verkehrsmittel sind weitgehend über Sharing-Systeme und -Technologien verfügbar. Es gibt erheblich mehr Fussgänger und Radfahrer auf den Strassen, und die Systeme des öffentlichen Verkehrs wurden erheblich ausgebaut, obwohl sie strengeren Vorschriften unterliegen. Antrieb mit fos silen Brennstoffen ist eine Rarität, Elek tromotoren sind Standard. Systeme zur Verkehrsregelung sind intelligent und werden im Wesentlichen anhand der kontinuierlichen Datensammlung zu Verkehrsbedingungen, Temperatur, Luftqualität und wirtschaftlichen Zahlen gesteuert. Der Zugang zur Gütertransportinfrastruktur der Stadt ist gestaffelt: Je näher Fahrzeuge an das Stadtzentrum kommen, desto kleiner müssen sie sein. Lieferdienste arbeiten zusammen, sodass aufeinanderfolgende Fahrten zur selben Adresse von unterschiedlichen Anbietern nicht mehr erforderlich sind. Peer-to-Peer-Netzwerke von Stadtbewohnern stellen Logistikdienste über Routen bereit, die bereits geplant und getestet wurden. Neue Stadtbezirke werden um bestehende Transportknotenpunkte herum geplant, um den Bedarf an Durchgangsverkehr im Voraus zu verringern. Aufgrund eines Paradigmenwechsels steht die Infrastruktur an erster Stelle; die Stadt wird dann um diese herum gebaut.

3. Die Stadt im Jahr 2030 ist abfallfrei
Das Problem der Müllent sorgung in Städten ist weitgehend verringert worden. Nicht wiederver-wertbarer Kunststoffabfall verschwindet zunehmend aus unserem Leben. Gleichzeitig nimmt die Verwertungsrate drastisch zu, und sowohl Herstellungsprozesse als auch die Wertschöp fungsketten werden entsprechend angepasst. Die Städte im Jahr 2030 bewerten ihr Konzept dessen, was «Abfall» bedeutet, neu. Die Rückführbarkeit von Materialien ist der Hauptfaktor für alle Zunahmen der Verwertungsrate. Die Städte fördern dies, indem sie mit gewerblichen Unternehmen Partnerschaften eingehen.

4. In der Stadt im Jahr 2030 sind Gebäude und die städtische Umgebung anpassungsfähig, intelligent und reaktionsfähig
Gebäude und die städtische Umgebung bieten intelligente, reaktionsfähige Lösun gen für die Herausforderungen, denen sich die Stadt von morgen gegen übersieht. Und damit nicht genug: Diese Lösungen und Dienstleistungen können schnell, leistungsfähig und intelligent angepasst werden, um die jeweiligen Bedürfnisse der Stadt in jeder Situation zu erfüllen. Neue Bauverfahren, wie der 3-D-Druck, haben Herstellungsverfahren von Grund auf dezentralisiert und führen auch dazu, dass die Errichtung von Gebäuden in jeder Hinsicht wirtschaftlicher wird. Die derzeitigen erfolgreichen Modelle, wie das der fussgängerfreundlichen Zonen, die auf annehmbare Laufwege zugeschnitten sind, wurden verfeinert und in grossem Massstab umgesetzt – oder bildeten einen Ausgangspunkt für andere, weiter entwickelte Formen des Managements der städtischen Umgebung.

5. Die Stadt im Jahr 2030 ist CO2-neutral
Im Jahr 2030 stammen hundert Prozent der in städtischen Zentren verwendeten Energie aus erneuerbaren Quellen. Smart Grids (intelligente Stromnetze) ermöglichen die ressourceneffizienteste Verwendung und Verteilung von Energie. Aufgrund von erheblichen Verbesserungen bei der Effizienz von Batterietechnologien wurden nicht nur Fahrzeugmotoren auf Elektroantrieb umgestellt. In Gebäuden gespeicherte Energie trägt – zusammen mit der insgesamt dezentralisierten Energieerzeugung – zu einer erheblichen Verringerung des ökologischen Fussabdrucks bei. Smart Grids brauchen intelligente Regeln: Die Struktur der Marktregulierungen widerspiegelt das Ziel der dezentralisierten Energieerzeugung.

6. Das Arbeiten in der Stadt im Jahr 2030 wurde durch Automatisierung und die On-Demand-Wirtschaft verändert
Die Automatisierung hat weitreichende Veränderungen am Arbeitsplatz verursacht, sodass die Menschen Zeit haben, sich auf ihre wichtigste Fähigkeit zu konzentrieren: die Kreativität. So werden, um nur ein Beispiel zu nennen, Verwal tungstätigkeiten und medizinische Diagnosen fast ausschliesslich von intelligenten Computersystemen gehandhabt. In einigen Bereichen ist der menschliche Beitrag darauf beschränkt, massgebende Entscheidungen zu treffen. Die abhängige Beschäftigung bietet aufgrund einer offeneren Führungskultur mit zunehmend jüngerem Führungspersonal einen höheren Grad an Freiheit. Das Home-Office und Projektarbeit werden dabei zweifelsohne eine weit grössere Rolle als heute spielen. Die On-Demand-Wirtschaft und aufgabenbezogene Arbeitsformen liefern einen wertvollen Kontrapunkt zu zentralisierteren – oder traditionelleren  – Systemen.

7. Die Stadt im Jahr 2030 begünstigt Wachstum und Innovation
Im Jahr 2030 sind Verwaltungstätigkeiten weitgehend automatisiert, für alle Bürger transparent und flexibel. Die Aufgabe der Verwaltungsmitarbeiter be schränkt sich weitgehend auf das Treffen von massgebenden Entscheidungen. Hierfür werden höchst effiziente Verwaltungsstrukturen eingesetzt. Die verwendeten Daten werden dabei in vernetzten Systemen bereit gestellt. Politik und Verwaltung setzen nun das metropolitane Prinzip um: Sie denken nicht mehr in kommunalen Grenzen, sondern orientieren sich bei ihren Planungen an funktionellen Räumen, um die Anforderungen ihrer jeweiligen Städte und Regionen pragmatisch, in einem lösungsorientierten und nicht konkurrenzbetonten Ansatz zu erfüllen. Dies führt bewusst zur Öffnung von Märkten, die gross genug sind, um für Unternehmen relevant und für Investoren interessant zu sein.

8. Die Stadt im Jahr 2030 fördert die Bürgerbeteiligung
Politische Systeme werden viel stärker durch partizipative Elemente gestaltet. Dank der Zuhilfenahme von digitalen Verfahren sind Bürger aktiv an politi schen Vorgängen und Systemen be teiligt. Selbst Nicht-Wahlberechtigte sind aufgrund neuer partizipativer Modelle an Entscheidungsfindungs prozessen beteiligt, und herkömmlicherweise an den Rand gedrängte Gruppen werden aktiv am Leben ihrer Gemeinden beteiligt. Sowohl die Politik als auch die Geschäftswelt wenden immer mehr das «Start-up-Prinzip» an: Die «Benutzer» – jeder Bewohner der Stadt – werden ständig umworben und an der Entwicklung der von ihnen verwendeten Lösungen beteiligt. Die Bürgerbeteiligung beschränkt sich nicht nur auf Ideenfindung, sondern beinhaltet auch aktive Mitarbeit und Zusammenarbeit auf zahlreichen Ebenen, sowohl in der Politik als auch darüber hinaus. Expertenfragen, deren Umfang klar eingegrenzt ist, werden über die Kreise hinaus beschlossen, die zuvor auf bestimmte Interessengruppen beschränkt waren. Zugleich hat die projekt- und problembezogene Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, Forschung, Investoren und der Zivilgesellschaft die nächste Stufe der Entwicklung erreicht: Internetplattformen beziehen alle Beteiligten in gemeinsame Prozesse ein, was zu besseren Lösungen und zu einem weiteren Anstieg der politischen Akzeptanz führt.

9. Bürger und ihre Daten sind in der Stadt im Jahr 2030 sicher
Die intelligente Stadt ist eine sichere Stadt. Die datengestützte Vorhersage und Verhinderung von Kriminalität, zusammen mit der verbesserten Integration von Bürgern, selbst in Problemregionen, ist so weit entwickelt, dass die Kriminalitätsraten in städtischen Zentren stark zurückgegangen sind. Ein treibender Faktor dabei ist, dass einige Anwohner der Nutzung ihrer Daten durch die Behörden freiwillig zustimmen – und die erhöhte Sicherheit als neue Art der Freiheit empfinden, während andere sich sicherer fühlen, wenn sie keiner solchen Datennutzung zustimmen. Jedoch entstehen infolge der zunehmenden Digitalisierung auch neue Arten von Risiken. Da immer mehr Geräte und Infrastruktur vernetzt werden, stellen sie zunehmend ein Ziel für kriminelle Angriffe mit potenziell verheerenden Folgen für den Alltag dar. Alle daran Beteiligten müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Sicherheit mit den schnellen Entwicklungen und Veränderungen Schritt halten kann.

10. Die Stadt im Jahr 2030 nutzt ihre Daten und Systeme gemeinsam
Etablierte Unternehmen lernen nun von Start-up-Unternehmen und stellen ihre eigenen Erkenntnisse für die gemeinsame Entwicklung von Technologien und Geschäftsmodellen und -verfahren zur Verfügung. Dies führt zu einem schnellen Anstieg der Innovationsrate. Das Erreichen der kritischen Masse im städtischen Leben und in den städtischen Funktionen ist eine verlockende Möglichkeit oder sogar Realität geworden. Gleichermassen erforderlich sind hierbei das gemeinsame Nutzen von Daten und Programmierschnittstellen (APIs) seitens der Stadtverwaltungen sowie Netzwerke und «share economies», an denen mehrere Städte oder Regionen beteiligt sind. Um den gewünschten Erfolg tatsächlich erzielen zu können, müssen Städte Probleme wie die Beteiligung von Investoren und die Vereinheitlichung von Vorschriften berücksichtigen.