Parkhäuser sind der Inbegriff von Tristesse. Dennoch stehen die grauen Kolosse vielerorts an bester Lage, mitten in der Innenstadt. Sie sind ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit, in der Stadtplanung vor allem «autogerecht» sein sollte. Heute, 50 Jahre später, stehen vor allem die obersten Stockwerke von Parkhäusern oft halb leer. Diese freien Flächen bieten ein grosses Umnutzungspotential. Und einige Beispiele für solche Umnutzungen gibt es bereits. 1986 wurde in Berlin Kreuzberg im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA ein Parkhauses zu einer Kita umgebaut. In der Kölner Innenstadt wurde ein Parkhaus auf 250 Stellplätze zurückgebaut, um auf der freigewordenen Fläche Wohnungen zu bauen und ein weiteres Beispiel dieser Art ist der Bundesplatz in Bern. Hier stehen seit 2004 nicht mehr Autos, sondern toben Kinder im Wasserspiel und finden Konzerte statt.

Diese Beispiele lassen erahnen, wie sich das Stadtbild verändern wird, wenn durch geteilte, autonome Autos noch mehr Parkfläche frei wird. Angenommen, diese Fahrzeuge fahren als lose aneinandergekoppelte Flotte morgens und abends in die Stadt, bringen Pendler an ihre Arbeitsplätze und holen sie von da wieder ab: Wir bräuchten kaum noch Parkplätze. Roboterfahrzeuge können sich einfach wieder in den Verkehr einfädeln und so auf den nächsten Passagier warten. So könnte öffentlicher Raum zurückgewonnen, aber auch neuer Wohn-, Gewerbe- und Büroraum sowie mehr Platz für Fussgänger geschaffen werden.

Entscheidend wird dabei allein die Frage sein, ob sich das Sharing-Modell wirklich durchsetzt. Natürlich weiss jeder informierte Mensch, wie uneffektiv die Nutzung eines Automobils ist: Es wird in der Regel während 23 Stunden pro Tag nicht verwendet, und der zur Nutzung notwendige Landanteil (Strassen, Autobahnen, Parkplätze) ist irrational hoch. Aber bleiben wir nicht vielleicht bei jenem alten Prinzip, das den liberalen Gedanken geprägt hat? Wollen die Menschen wirklich auf ihren Besitz verzichten? Gleichzeitig muss man auch bedenken, dass mit autonomen Fahrzeugen plötzlich alle Leute den Individualverkehr nutzen können – auch Hochbetagte, Kinder und all jene Menschen, die bisher keinen Führerschein machen konnten oder wollten. Vielleicht haben wir dann plötzlich ein völlig neues Platzproblem.


Mehr zur Zukunft des öffentlichen Raums, lesen Sie in der GDI-Studie «Future Public Space – Die Zukunft des öffentlichen Raums», aus der auch Teile dieses Texts entnommen wurden. Zum Gratis-Download