Dies ist ein Auszug aus der GDI-Studie «European Food Trends Report». Die vollständige Studie steht zum Download bereit. 

Das Spektrum der Ernährungslehren ist enorm breit. Auf der einen Seite steht die Ernährungswissenschaft. Sie ist zwischen Medizin und Biochemie angesiedelt und befasst sich mit den Grundlagen, der Zusammensetzung und der Wirkung der Ernährung auf den Menschen. Zwischen Food und Pharma sind auch ernährungsbasierte Krankheitstherapien und Functional Foods zu finden. Beispiele dafür sind probiotische Joghurts oder mit Vitaminen versetzte Fruchtsäfte.

Auf der gegenüberliegenden Seite orientieren sich die Lehren weniger an wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern mehr an Erfahrungen oder Traditionen. Sie geben Anweisungen für «richtige» Ernährung im Einklang mit religiösen oder philosophischen Systemen. Beispiele sind die Bircher-Benner-Kost, die Paleo-Diät oder die Makrobiotik. Dazwischen befinden sich sowohl uralte Lehren wie Ayurveda oder die traditionelle chinesische Medizin (TCM) als auch neuere Konzepte wie Superfoods oder Light-Produkte. Diese Ernährungslehren haben zwar einen wissenschaftlichen Hintergrund, verfügen aber – aus westlich-wissenschaftlicher Sichtweise – nicht über genügend Belege, um als «wahr» zu gelten.

Die Grafik aus dem «European Food Trends Report» liefert einen groben Überblick über die gängigen Ernährungslehren geordnet nach deren Evidenz:

Ernährungswissenschaft
Eine Naturwissenschaft, die sich mit den Grundlagen, der Zusammensetzung und der Wirkung der Ernährung befasst.

Functional Food
Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert sind und mit positivem Effekt auf die Gesundheit beworben werden.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Eine Heilkunde, die sich in China seit mehr als 2000 Jahren entwickelt hat. Die TCM gilt als alternativ­ oder komplementärmedizinisches Verfahren.

Ayurveda
Traditionelle indische Heilkunst. Ayurveda ist keine therapeutische Einzelmassnahme, sondern ein ganzheitliches System und gehört in den Bereich der traditionellen Alternativmedizin.

Free-from-Produkte
Lebensmittel, die keine Laktose oder Gluten enthalten. Für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten.

Light-Produkte
Lebens­ oder Genussmittel mit reduziertem Gehalt an als ungesund angesehenen Bestandteilen wie Fett, Zucker, Ethanol, Nikotin.

Bio-Lebensmittel
Verzicht auf konventionell produzierte Lebensmittel zugunsten von Bio­Produkten aus ökologischer Landwirtschaft. Positive Auswirkungen auf die Gesundheit konnten bisher nicht nachgewiesen werden.

Superfood
Ein Marketingbegriff für Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen. Teilweise beruhen die positiven gesundheitlichen Wirkungen auf wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhängen.

Fünf-Elemente-Ernährung
Die Übertragung von Teilen der Traditionellen Chinesischen Medizin auf die in westlichen Ländern übliche Ernährung. Sie basiert auf der Lehre der fünf Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie unterscheidet sich allerdings erheblich von der Diätetik nach den Grundsätzen der TCM.

Paleo-Diät

Eine Ernährungsform, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert. Die Steinzeiternährung setzt sich ausschliesslich aus Nahrungsmitteln zusammen, von denen angenommen wird, dass sie schon in der Altsteinzeit verfügbar waren – keine Milchprodukte, kein Getreide, keine verarbeiteten Nahrungsmittel.

Makrobiotik

Eine vom Japaner Georges Ohsawa begründete, auf taoistischen Lehren und asiatischen Traditionen basierende Ernährungs­ und Lebensweise. Die Makrobiotik widerspricht anerkannten wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnissen. Ihr Anspruch, alle Krankheiten heilen zu können, gilt als widerlegt.

Bircher-Benner-Kost
Max Bircher­Benner, ein Schweizer Arzt und Ernährungsreformer, entwickelte
das Birchermüesli und gilt als Pionier der Vollwertkost. Bei Medizinern und Naturwissenschaftlern stiess Bircher­Benners Ernährungslehre bereits in der Zeit ihrer Entstehung auf Skepsis und Ablehnung, da sie biochemischen Erkenntnissen widersprach.

Trennkost
Eine von William Howard Hay zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Ernährungsform, bei der hauptsächlich eiweisshaltige und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nicht gleichzeitig bei einer Mahlzeit gegessen werden. Die zugrunde liegende Theorie gilt als «wissenschaftlich nicht haltbar».

Humoralpathologie
Eine medizinische Konzeption, die erstmals im Corpus Hippocraticum um 400 v. Chr. zur Erklärung allgemeiner Körpervorgänge und als Krankheitskonzept entwickelt wurde. Bis zur Einführung der Zellularpathologie im 19. Jahrhundert blieb sie dominierend für die damalige Medizin.
    
Eine weitere Beschreibung der genannten Ernährungslehren findet sich in der GDI-Studie «European Food Trends Report». Zum Download.

Hören Sie GDI-Forscherin Christine Schäfer im Podcast zu den neusten Food-Trends.