Dieser Text ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Die neue Energiewelt – Vom Mangel zum Überfluss». Die vollständige Studie ist kostenfrei als PDF-Download erhältlich.

Der Weg in den Energieüberfluss ist von Überraschungen und Unsicherheiten gesäumt. Es kann sich dabei um viele kleine Ereignisse handeln, wie etwa die Entwicklung immer besserer Computerchips, oder um wenige grosse, wie die Oktoberrevolution 1917. Jedes dieser Ereignisse eröffnet neue Optionen und verschüttet alte, bislang verfolgte Entwicklungspfade. Jedes folgt dabei seiner eigenen Logik oder Irrationalität; dennoch lassen sich aus den vergangenen Ereignissen Muster erkennen, welche Art von Ereignissen welche Veränderungen der ökonomischen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Folge haben. Fünf dieser Event-Arten sind hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgeführt:

  • Fukushima-Events: Ein externer Schock verschiebt die gesellschaftliche Nachfrage nach einzelnen Energieträgern. Die Verschiebung orientiert sich dabei weniger an Effizienz-Gesichtspunkten als vielmehr an einer veränderten Risikobewertung.
  • Opec-Events: Ein internationaler ökonomischer Schock verändert die Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft. Ausschlaggebend hierfür sind Angebotsengpässe, Preisabsprachen, politisch motivierte Aktionen oder marktbeherrschende Stellungen.
  • Lehman-Events: Ein internationaler ökonomischer Schock verändert die ökonomischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Die Einstellung, es könne so wie bisher nicht weitergehen, greift um sich. Personen, Unternehmen und Institutionen suchen nach Alternativen innerhalb wie ausserhalb des Systems.
  • Swissair-Events: Ein nationaler ökonomischer Schock verschiebt die Prioritäten und Werthaltungen der Gesellschaft. Sicher geglaubte Errungenschaften stehen zur Disposition.
  • iPhone-Events: Eine technische Disruption verändert die Rahmenbedingungen für grosse Teile der Wirtschaft. Je höher der Convenience-Faktor der Innovation ist, desto schneller und intensiver setzt sie sich durch.

Gerade bei den grossen, schockartigen Entwicklungsbrüchen sollte das Hauptaugenmerk nicht darauf liegen, sie zu verhindern. Die sie auslösenden Kräfte lassen sich selten beeinflussen und sind kaum prognostizierbar. Mit den Lehren aus vergangenen Katastrophen lassen sich in erster Linie die pfadabhängigen Katastrophen verhindern. Entsprechend kann eine Katastrophe neuen Typs umso härter zuschlagen. Zentral sollte also vielmehr die Frage nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten sein, die sich durch einen Strukturbruch eröffnen.


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