«A third place between work and home» – der Kaffeehaus-Riese Starbucks stösst mit seiner Selbstdefinition als öffentlicher Raum auf Kritik. Das hat vor allem damit zu tun, wie wir den öffentlichen Raum definieren: In erster Linie nämlich über seine allgemeine Zugänglichkeit, schreiben GDI-Forscher in der Studie «Future Public Space». Gerade die wird bei Starbucks aber spätestens seit ein paar Monaten in Frage gestellt. Im April wurden in einer amerikanischen Filiale der Kaffeehaus-Kette zwei dunkelhäutige Gäste von der Polizei abgeführt. Begründung: Sie hielten sich im Lokal auf ohne etwas zu konsumieren. Das machte sie in den Augen der Mitarbeitenden verdächtig. Die Verhaftung löste einen Shitstorm aus und Starbucks sah sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. 

Dieser Vorfall zeigt: Was wir für einen öffentlichen Raum halten, muss nicht zwingend dem Kriterium einer allgemeinen Zugänglichkeit entsprechen. Starbucks ist ein privates Unternehmen, welches sich lediglich als öffentlicher Raum ausgibt. Wer Zutritt hat und wer nicht, kann Starbucks im Endeffekt selbst bestimmen. Der Berliner Architekturkritiker Guido Brendgens spricht in solchen Fällen von «pseudoöffentlichen Privaträumen». In solchen werde die Öffentlichkeit nur noch simuliert und die Wahrnehmung getäuscht. Der klassische öffentliche Aktionsraum werde zunehmend durch das Einkaufszentrum abgelöst, das als Ausgleich zu den Routinen des Alltags ein Ort des Zeitvertreibs, der sozialen Kontakte und der berechenbaren Kontinuität sei. Eine Weiterentwicklung der Shopping-Mall sei das Urban Entertainment Center wie der 1996 in New York eröffnete Flagship-Store Niketown, wo Unterhaltungszonen als Plätze, Promenaden und Märkte choreographiert werden und die Ware Turnschuh zum Kunstwerk ästhetisiert wird.

Auf der andern Seite zeichne sich aber auch eine zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums ab. Dieser werde sich vom «Ort der Allgemeinheit» schleichend in einen «Verwertungsraum» wandeln, sagt Brendgens. Als Beispiel nennt er das neue Berliner Stadtzentrum um den Potsdamer Platz «einen privatwirtschaftlich betriebenen Stadtraum», der den Namen der Investoren trägt: Quartier Daimler Chrysler und Sony City. Brendgens bezeichnet solche Konstrukte als privatisierte, scheinöffentliche Räume.

Mehr zur Zukunft des öffentlichen Raums, lesen Sie in der GDI-Studie «Future Public Space – Die Zukunft des öffentlichen Raums», aus der auch Teile dieses Texts entnommen wurden. Zum Gratis-Download